"Analytische Filmografie" zum Terrorismus im US-Kino

Robert Cettle (2009): Terrorism in American Cinema. An Analytical Filmography, 1960-2008. Jefferson, NC / London: McFarland & Company. ISBN: 978-0-7864-4155-6
320 Seiten, Paperback.



von unserem Partnerdienst Terrorismus & Film

Robert Cettle, freier australischer Autor, hat uns bereits ein Serienkillerfilmlexikon geschrieben – und vom geheimen Serial Killer zum Terroristen ist es in Sachen Schreckfigur gar nicht so weit: Das Ungeheuer, dass sich hinter der Fassade des braven Bürger und Nachbarn versteckt (der freilich „arabischer“ Herkunft zu sein scheint)…

Doch Cettle hat in Sachen Serienmörder wie jetzt in punkto Terrorismus ein nützliches und beachtliches Buch vorgelegt, wobei allerdings sein neues Werk einige Mängel aufweist, auf die es hinzuweisen gilt.

Auch in Terrorism in American Cinema führt in Sachen „Terrorismusfilm“ zunächst mit einem Text ein, der die Ursprünge und kinematographischen Entwicklungslinien nachzeichnet, die dem Terrorismuskino vorangehen oder es begleiten; Kontexte wie die James-Bond-Filme mit ihren Welterpressungen; Spionage- und Sabotagefilme, aber auch die jeweiligen politischen und historischen Konfliktlagen, die es stets mitzuberücksichtigen gilt, wenn es um Terrorismus geht. Bei angesichts der Kürze (rund 13, freilich eng bedruckte Seiten) aufschlussreich und bietet eine solide Verortung. Zugleich aber ergibt sich hieraus ein Manko, da Cettle sich – und so recht kann man ihm da nicht böse sein – sich um eine Terrorismusdefinition herumdrückt und, was schwerer wiegt, Sabotage und Erpressung allzu fahrlässig mit Terrorismus verschwimmen lässt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, das Cettle gerne vom Terrorismus-Kino sprechen mag, er aber schlicht daneben liegt, wenn er schließlich von diesem als einem „Genre“ spricht. Terrorismus im Film ist genre-übergreifen; es kann im Actionfilm, im Drama, im Politthriller – auch in Satiren und mehr erscheinen. Selbst wenn man sich auf bestimmte Terrorismusfilme konzentriert, ist ihnen immer noch größere, etabliertere Genrebegriffe vorgeschoben. Anders gesagt: Cettle konstruiert aus anderen Genres und über ihre Grenzen hinweg ein eigenes (ohne sich die Mühe zu machen, auf seine „Erfindung“ selbst einzugehen), was in der Auswahl der Filme niederschlägt.

Die gerät denn auch wegen des breiten Terrorismus- (oder meinetwegen Terrorismus-Kino-) Verständnis wie auch dem Genre-Sammelsurium recht bunt und ein kleinwenig, durchaus sympathisch wirr. Insbesondere, weil sich dieser Filmographie des Terrorismus im US-amerikanischen Kino auch Pontecorvos italienisch-algerischer LA BATTAGLIA DI ALGERI (1966) und QUEIMADA bzw. BURN (1969) – nicht aber OPERACIÓN OGRO (1979) – oder Neil Jordans THE CRYING GAME (1992) und MICHAEL COLLINS (1996).

Otto Premingers EXODUS (1960) und Attenboroughs GANDHI (1982) findet sich da zusammen mit Billig-Actionfilmen wie IRA: KING OF NOTHING (2006) oder dem TV-Film mit Chuck Norris THE PRESIDENT’S MAN (2000). Die DIE-HARD-Filme (1988 – 2007) stehen gleichauf mit Brian de Palmas HI, MOM! (1970), der Mediensatire NETWORK (in denen auch linke US-Terroristen auftauchen) und THE MANHATTEN PROJEKT (1986) (ein Schüler baut eine Atombombe und gerät darüber mit der Regierung aneinander).

Aus diesem Wirrwarr aus Großproduktionen und Direct-to-Video-Mumpitz, Polit- und Paranoiathrillern (z.B. THE Alan J. Pakulas PARALLAX VIEW (1974)), Actionspektakeln, Historiendramen, Comic-Adaptionen (SUPERMANN II - 1980), gar Dokumentation wie MacDonalds ONE DAY IN SEPTEMBER (1999) zur Münchner Olympiade-Geiselnahme und schließlich Antonionis ZABRISKIE POINT (1970) ein Genre zu kreiert zu sehen, ist nachgerade verblüffend und erfrischend. Ein diffuser Bedeutungs- und Stimmungsrahmen (re-)konstruiert Cettl dabei. Dass davon vieles wenig oder nur entfernt mit Terrorismus zu tun hat, ist offensichtlich.

Zugleich bzw. gerade dadurch bietet Terrorism in American Cinema eine spannende Querfeldeinreise: Gerade weil Cettl offensichtlich irgendwie alles, was er zufällig kannte, aufgreift, entdeckt man einem selbst noch Unbekanntes, werden seltene Querverbindungen gezogen (so wenn neben Pontecorvos LE BATTAGLIA DE ALGIERI auch Mark Robsons „ergänzende“ wie konträre Hollywood-Thematisierung des algerischen Unabhängigkeitskampfes, LOST COMMAND von 1966, behandelt ist) und generell die Leser vielleicht auch hinsichtlich des Konzeptes Terrorismus und seiner Ungenauigkeit gedanklich angeregt.

Hinzukommt, dass Cettle in den langen Beiträgen zu den Filmen diese stets einzuordnen sowie was spannend und bemerkenswert ist zu beschreiben und auf bodenständige Art zu analysieren weiß. Ebenso, wie er ebenso Mist auch als Mist benennt – und sich (und seinem Buch) trotzdem nicht zu schade ist, ihn aufzugreifen, weil er schlicht dazugehört (wozu letztlich auch immer) und als kulturelles Artefakt und sozialnarrativer Gegenstand wert ist, berücksichtigt zu werden.

Letztlich ist Cettles Terrorismus in American Cinema einerseits ein schon unverfrorenes Buch, andererseits trotzdem wie auch gerade deswegen empfehlenswert – oder zumindest einen Blick wert.

Empfehlenswerter weil profunder, analytischer und kontextualisierender ist jedoch Stephen Princes ebenfalls brandaktuelles Buch Firestorm: American Film in the Age of Terrorism, das sich freilich nur auf die US-Filme "rund um" den 11. September konzentriert und diese nicht für sich behandelt.


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Bernd Zywietz

Ein ganzes Leben in einem Haus - Pixars „Oben“ jetzt auf DVD

von Elisabeth Maurer

„Oben“ / „Up“
Regie: Pete Docter
Drehbuch: Bob Peterson, Pete Docter
Musik: Michael Giacchino
Produzent: Jonas Rivera
Sprecher: Ed Asner, Christopher Plummer, Jordan Nagai, Bob Peterson
Verleih: Walt Disney
Laufzeit: 93 min
DVD-Veröffentlichung: 21.1.2010


Der Film beginnt mit dem Tag im Leben von Carl Fredricksen, der sein ganzes Leben bestimmen wird. In einem baufälligen Haus trifft der schüchterne Junge auf das Mädchen Ellie, ein Wildfang, vorlaut, frech und genauso von Abenteuern fasziniert wie Carl. Fortan gehören sie zusammen.
Nun folgt die bewegenste und schönste Sequenz des Films, die „Oben“ von anderen Animationsfilmen abhebt, technisch und dramaturgisch fast so überzeugend wie die Anfangsszenen aus „Wall-E“. In stummen Bildern wird in wenigen Minuten das gemeinsame Leben von Carl und Ellie gezeigt. Ihre Kinderfreundschaft entwickelt sich zu Liebe, sie heiraten, ziehen in das alte Haus. Der Film findet ganz einfache aber sehr eindrückliche Motive, um ihre Träume und Sehnsüchte darzustellen. Auch die traurigen Momente des Lebens werden gezeigt, das junge Ehepaar kann keine Kinder bekommen und ihre geplante Abenteuerreise müssen sie wegen kleiner Vorfälle im Alltag, für die sie ihr Geld ausgeben müssen, immer wieder verschieben. Als Carl dann endlich die Flugtickets kaufen kann, wird die gebrechliche Ellie ernsthaft krank und stirbt.

Carl zieht sich in seiner Trauer in sein Haus zurück, in dem sich alles befindet, was Ellies und sein Leben ausmacht. Seine Abschottung von der restlichen Welt wird verbildlicht, da um das alte Haus nun neue Wolkenkratzer entstehen. Als auch sein Haus abgerissen werden soll und er selbst ins Altersheim umsiedeln muss, startet Carl einen verrückten Ausbruchsversuch aus der ihm unerträglich gewordenen Welt. Mit vielen heliumgefüllten Ballons lässt er sein Haus einfach vom Boden abheben und steuert nun in Richtung Südamerika, um Ellies Lebenstraum doch noch zu erfüllen. Leider wird er in seinem Vorhaben davon gestört, dass der Pfadfinder Russel auf der Veranda ebenfalls mit in die Luft gegangen ist. Schon glaubt Carl sein Vorhaben wegen dem nervigen und anstrengenden Jungen aufgeben zu müssen. Erstaunlicherweise schafft es der sonst eher tollpatschige Russel aber das Haus ganz in die Nähe der Paradieswasserfälle zu bringen, wo Ellie immer wohnen wollte. Carl muss sein Haus an einer Leine nur noch von einer Seite des Bergplateaus auf die andere ziehen, dann hat er es wirklich geschafft.

Doch der Weg dorthin wird viel abenteuerlicher als die bisherige Reise. Dort im Urwald lebt nämlich der Abenteurer Charles Muntz, den Carl und Ellie seit ihrer Kindheit bewunderten und ihm nacheiferten. Jahrzehntelang sucht Muntz schon nach einem besonderen Riesenvogel, um endlich beweisen zu können, dass es dieses Tier wirklich gibt, und um damit seinen Ruf vor der wissenschaftlichen Gemeinschaft wiederherzustellen. Ein riesiges Rudel Hunde, denen er Halsbänder gebaut hat, mit denen sie sprechen können, hilft ihm bei seiner Suche. Der treudoofste aber liebenswerteste von ihnen, Dug, freundet sich mit Carl und Russel an. Die Hunde bringen den meisten Humor in die Geschichte, vor allem weil sie zwar sprechen können und sich meistens wie eine gut trainierte Spezialeinheit benehmen, aber zugleich ihren Hundecharakter nicht ablegen können, wenn sie zum Beispiel einen Ball sehen.

Als dann Russel auch noch den Riesenvogel zu seinem Freund macht, kommt es zum Kampf zwischen Carl, Dug, Russel und Muntz und seinen Hunden. Der Abenteurer und Carl stehen dabei für zwei Arten, wie mit dem bevorstehendem Lebensende und den verpassten Chancen umgegangen werden kann. Während Muntz völlig besessen davon ist, seinen Lebenstraum ohne Rücksicht auf andere umzusetzen, begreift Carl, dass es wichtigeres gibt als Erinnerungen nachzuhängen. Er erkennt, dass er und Ellie ein wunderschönes Leben hatten und auch Abenteuer erlebten, auf ganz alltägliche Weise. Metapher für die Traurigkeit, die er mit sich herumträgt, war natürlich das Haus. An der Leine wird es immer mehr zur Last und so muss er es am Ende loslassen. Es geht nicht um die materiellen Erinnerungsstücke, Carl hatte Ellie ein ganzes Leben lang, aber egal wie sehr er sich an die Vergangenheit klammert, sie kommt nicht zurück. Auch in ihrem Gedenken darf er sich nun nicht in seine Welt vergraben, sondern muss sein Leben weiterleben, zusammen mit seinen neuen Freunden.

Manchmal wünscht sich der erwachsene Zuschauer einen etwas weniger kitschigen und kindischen Animationsstil, wie er viele Animationsfilme beherrscht. Vielleicht hofft er daher während des Schauens auch schon auf „9“ von Shane Acker, der ihm diesen Wunsch womöglich erfüllen wird. Auf der anderen Seite träumt sich die Kinderseele der Erwachsenen in altmodische Zeichentrickfilme zurück, die weniger Albernheiten und Action beinhalteten, dafür aber mehr zu Herzen gingen. Trotzdem bietet „Oben“ Erwachsenen und Kindern gute Unterhaltung, einige herausragende Einfälle und eine weniger platte oder vorhersehbare Geschichte als viele andere Filme der Animationsfilmwelle der letzten Jahre.

Die DVD bietet neben dem einfach nur als entzückend zu bezeichnendem Kurzfilm „Teilweise wolkig“, der als Vorfilm im Kino gezeigt wurde, noch eine kurze, amüsante Ergänzung zu Dugs Geschichte. Außerdem enthält sie eine nicht sehr aufschlussreiche Dokumentation über die Entstehung des Films, frühe Überlegungen zum Ende des Charakters Muntz sowie den Audiokommentar des Regisseurs.


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Mal was Praktisches...

Erstmals vergibt das Kölner Filmhaus Stipendien - hier die Pressemeldung für alle Aktiven von Euch:

"In diesem Jahr unterstützt das Kölner Filmhaus erstmals Nachwuchskräfte in der Medienbranche mit einem Stipendiatenprogramm. Für die Lehrgänge Kameraassistent/in und Produktions-/ Redaktionsassistent/in wird jeweils ein Stipendium im Wert der Teilnahmegebühr von 3.950 Euro vergeben.

Das Kölner Filmhaus ermöglicht gemeinsam mit der Fachzeitschrift „Film & TV Kameramann“ einer Person die kostenlose Teilnahme am Lehrgang Kameraassistent/in. Zusätzlich vergibt das Kölner Filmhaus einen weiteren freien Platz für die Weiterbildung Produktions-/Redaktionsassistent/in. Die beiden Vollzeit-Lehrgänge beginnen am 22. März 2010 im Kölner Filmhaus und dauern sechs Monate.

Die Bewerberinnen und Bewerber für die Stipendien dürfen maximal 35 Jahre alt sein und müssen Tätigkeiten in der Film- und TV-Branche nachweisen können. Bewerbungsschluss ist der 5. Februar 2010. Ausführliche Informationen zu den Lehrgängen, den Teilnahmebedingungen und die Bewerbungsformulare stehen unter www.kameramann.de und www.koelner-filmhaus.de."

Satirische Kurzfilme jetzt einreichen

Filmschaffende können bis zum 1. Februar satirische Kurzfilme für die Rüsselsheimer Filmtage am 11. und 12. Juni 2010 einreichen. Voraussetzung ist, dass der Film ab 2008 auf 16 oder 35mm Beta SP PAL, Digi Beta oder Mini DV gedreht wurde, eine maximale Länge von 20 Minuten hat und auf DVD eingereicht wird. Der Film muss deutschsprachig oder in Deutsch untertitelt sein.

Das Publikum entscheidet während des Festivals, welche Filme zu den besten Drei zählen sollen. Als erster Preis wird die Bronzeplastik „Der scharfe Blick“ verliehen, die mit 5.000 Euro dotiert ist. 2.000 Euro erhalten die Zweitplazierten und 1.000 die dritten Preisträger.
Bis zu 16 Filme wählen die Mitglieder der Cinema Concetta Filmförderung für die Filmtage aus. Am ersten Tag, 11. Juni, werden die Filme ohne Kommentierung gezeigt. Am zweiten Tag, 12. Juni, stehen neben den Filmen kurze Gespräche mit den Regisseurinnen und Regisseuren im Mittelpunkt.

Die Bewerbungsunterlagen können im Internet unter www.ruesselsheimer-filmtage.de herunter geladen werden.

"13 Semester" von Frieder Wittich

"13 Semester" von Frieder Wittich ist der gelungene Versuch einer deutschen College-Komödie.

Was macht ein Ostdeutscher, wenn es ihn an die Uni in Darmstadt verschlägt, wenn das Fach - Wirtschaftsmathematik - eben doch schwerer ist als gedacht, wenn man sich verliebt, wenn man aber gleichzeitig den Druck spürt, sein Studium möglichst schnell durchzuziehen? Man dreht durch, oder dreht hohl, oder sackt ab, oder packt an. Dreizehn Semester in 13 Kapiteln: das ist flott erzählt, witzig, originell, sehr unterhaltsam. Und es wird, wenn wir Glück haben, keine Welle an deutschen Uniklamotten nach sich ziehen, die nur schlechter sein können.

"Lustig, locker, leicht, mit sehr gutem Gespür für komisches Timing erzählt Wittich einfach mal vom Studentenleben in Darmstadt. [...] Kleine Schlaglichter auf 13 Semester wirft Wittich und erstellt dabei ein Panorama der Studentengestalten." - schrieb Harald Mühlbeyer zur Filmpremiere in Hof. (Dem Link folgen und nach unten scrollen)

"Flott und mit den nötigen Ecken und Kanten handelt der Film von „Momo“ / Moritz (Max Riemelt), der aus der Kleinstadt in das wilde Studentenleben der – haha – Metropole Darmstadt zieht, um dort als Student das Leben kennenzulernen. Der Film ist witzig, unheimlich temporeich, aber keine Klamotte. Tatsächlich wird in 13. Semestern = Kapiteln die Coming-of-Age-Geschichte Momos erzählt, die gerade in ihrem großen Zeitbogen viel Weisheit enthält." - schrieb Bernd Zywietz, als "13 Semester" das Mainzer FILMZ-Festival eröffnete.

Screenshot Top 5 (Teil 3)

Teil 3 unseres Jahresrückblicks - mit den Top-5 von 2009 unserer Redakteure und Autoren.

Ciprian David:

Mich haben vor allem die 2 Filme verführt, mit denen ich mich am extensivsten beschäftigt habe:

"The Limits of Control"
"Adam Resurrected"

Dazu kommt noch der in den Tops omnipräsente
"Inglourious Basterds"

Dazu habe ich mich nach müßigem wegstreichen für die folgenden 2 entschieden:



"RocknRolla"(den ich vielleicht zu sehr im Rahmen von Snatch und Bube Dame König Grass gesehen habe), wo Guy Ritchies Welten des fröhlichen Zufalls die Form beibehalten, jedoch an Kontur gewinnen. RocknRolla greift von diesem System aus (und entsprechend teils plakativ) in Mystik und Philosophie, lässt die Kunst (und den Rausch) die Oberhand gewinnen und entpuppt beide als Drahtzieher hinter dem Zufall.


"Contact High" war stimmungvoll ("Soul Kitchen" wurde hingegen leider ziemlich übertrieben am Ende), märchenhaft, absurd, psychedelisch, österreichisch und das alles als durchaus gelungene Komödie.


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Markus Reuter:




„Der Dorflehrer“
Trauer, Eifersucht und Schuld stehen in diesem Film der Sehnsucht nach Schönheit, Liebe und Vergebung gleichrangig gegenüber. Der Mensch aus Fleisch und Geist mit seinen Stärken und Schwächen, Wünschen und Zweifeln steht hier im Mittelpunkt des Geschehens. Die Charaktere entfernen sich von einander und nähern sich wieder an, wobei uns die wunderbaren Hauptdarsteller Pavel Liška und Zuzana Bydžovská die Kraft einer einfachen Umarmung spüren lassen. Das alles fängt der Regisseur Bohdan Sláma mit seinem Kameramann Diviš Marek in ruhigen, kunstvoll arrangierten Einstellungen ein. Poetischer Realismus aus Tschechien im Jahr 2009.

„Der Mann aus London“
An der Oberfläche ein Krimi, ist der neue Film von Béla Tarr in der Tiefe eine pessimistische Meditation über den Menschen und die Welt. Mit seinen extrem langen Einstellungen und sparsam eingesetzten Dialogen verweigert sich der Film gewöhnlichen Spannungsdramaturgien und setzt ganz auf Rhythmus und Atmosphäre. Gedreht in kontrastreichem schwarz und weiss geraten einige Einstellungen zwar auffallend symbolisch, dafür besitzen alle Bilder eine einzigartige Schönheit. Leben und Kunst durchdringen sich in diesem Film, in dem sich die Surrealität zur Realität hinzugesellt. Ein Kino der Entschleunigung, das dem Zuschauer Raum zur Reflexion lässt. Ein außergewöhnlicher Film.

„Shotgun Stories”
Drei Söhne suchen einen Weg heraus aus der Gewaltspirale, die durch die Sünden des Vaters ihren Anfang nahm. Regisseur Jeff Nichols verlegt die Gewalt in das Innere der Charaktere und kommt ohne explizite Gewaltdarstellungen aus. Ein herausragender Michael Shannon spielt die Hauptrolle in diesem stillen und zurückgenommenen und dennoch aufregenden und spannungsreichen Film über die unheilvolle Schwere der Rache. Zusammen mit „Der Dorflehrer“ und „Der Mann aus London“ bildet „Shotgun Stories“ die Minimalismus-Trias des Jahres 2009.

„Watchmen – Die Wächter“
Düster, gewaltig, radikal: nach dem ästhetizistischen „300“ überrascht Zack Snyder mit einer formal und inhaltlich stimmungsvollen Adaption des Comics von Alan Moore. Snyder vertraut der genialen Vorlage und scheint diese zu großen Teilen nahezu eins zu eins als Storyboard für sein Drehbuch übernommen zu haben, ohne dabei das Medium Kino zu vergessen. Alleine schon die bewegten Bilder der Titelsequenz zu Bob Dylans „The times, they are a-changin’“ gehören zu den eindrücklichsten Kinomomenten des letzten Kinojahres.

„Gran Torino”
Ein warmherziges Alterswerk Eastwoods, ein Spiel mit seinen Rollenklischees, ein Film voller Humor und Toleranz. Das politisch unkorrekte Grummeln der von Eastwood selbst verkörperten Hauptfigur Walt Kowalski ist zunächst Ausdruck des Unbehagens an seinen asiatischen Nachbarn und schon jetzt legendär. Sein Groll weicht aber mehr und mehr einer gegenseitigen, ursprünglich wohl nicht für möglich gehaltenen Annäherung zwischen den Kulturen. Schade, falls es tatsächlich Eastwoods letzter Auftritt vor der Kamera gewesen sein sollte – wenn es dennoch so sein sollte, wäre es ein würdiger Abtritt.


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Dennis Vetter:



"Love Exposure"
Weil ich beim Schauen für 4 Stunden vergessen durfte, dass ich in meinem Leben schon so viele schlechte Filme gesehen habe.

"Das Weiße Band"
Weil ich Haneke schon geliebt habe, als er noch richtig bösartig war und er nun über seinen Schatten gesprungen ist und mit dem reflektiertesten Film seiner Karriere jeden Zweifel an seiner Großartigkeit beseitigt hat.

"Martyrs"
Weil ich mich seit Jahren auf keinen Film so gefreut habe und er meinen Erwartungen sogar gerecht werden konnte! Für mich nach der völligen Enttäuschung durch A L'INTERIEUR der bisher gelungenste Film der aktuellen französischen Horrorwelle, ein Hoffnungsschimmer auf Zukünftiges...und einer der härtesten und schönsten Schläge in die Magengrube, die ich kenne.

"Avatar"
Weil er mir wahninnig viel Spaß gemacht hat und mich daran erinnert hat, warum ich das Kino geliebt habe, bevor ich mein Filmstudium begonnen habe.

"Der Knochenmann"
Weil ich zuvor absolut keinerlei Kontakt mit Wolf Haas hatte, war ich sehr kritisch und überhaupt nicht optimistisch, einen guten Film zu sehen. DER KNOCHENMANN hat mich von der ersten bis zur letzten Einstellung permanent eines Besseren belehrt. Danke, du wunderbarer Film.


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Elisabeth Maurer:

5: "The Limits of Control" (Jim Jarmusch)
Jim Jarmusch treibt seine Beschäftigung mit Klischees auf die Spitze und präsentiert seinen jüngsten Film als eine Auseinandersetzung mit der Überwindung filmischer und erzählerischer Klischees. Ein Spiel mit dem Zuschauer, das die Spiele, die ständig mit uns gespielt werden, entlarvt.

4: "Das weiße Band" (Michael Haneke)
Das Innenleben eines Ortes und das Machtgefüge innerhalb der Gemeinschaft und der Familien wird langsam offengelegt, was ein Porträt Deutschlands, der Deutschen und vor allem ihrer Kinder vor dem 1. Weltkrieg ergibt.

3: "Inglourious Basterds" (Quentin Tarantino)
Einfach sehr unterhaltsam. Und Tarantino setzt dem Kino ein Denkmal, hier ist alles möglich, sogar alle Nazigrößen auf einmal in die Luft zu sprengen und damit allen Schrecken zu beenden.

2: "White Lightnin`" (Dominic Murphy)
In einer Umgebung ohne wirkliche Schönheit und Perspektive konstruiert sich ein junger Mann sein Weltbild, steigert sich aber immer mehr in einen religiösen Wahn und geht dabei selbstzerstörerisch gegen das letzte Schöne in ihm vor. Zwar bisher in Deutschland wohl nur auf Festivals zu sehen, liefert der Film aber ein sehr eindringliches Porträt des Niedergangs eines Menschen.

1: "Antichrist" (Lars von Trier)
Die Natur ist nicht grundsätzlich gut und gerecht, vielmehr besteht der Kreislauf des Lebens zum größten Teil aus Tod und Schrecken. Genauso verhält es sich mit den Menschen. In sehr schönen und teilweise auch extrem verstörenden Bildern zeigt von Trier wie eine Frau mit der Erkenntnis der dunklen Seite der Welt und der ihres eigenen Ichs umgeht.




Teil 1 der Top 5

Teil 2 der Top 5

Terry Gilliams "Imaginarium of Dr. Parnassus"

Am Donnerstag, 7. Januar 2010, startet Terry Gilliams neuester Film "Das Kabinett des Dr. Parnassus" / "The Imaginarium of Dr. Parnassus" in den deutschen Kinos.

Ein großartiger Film mit überwältigenden fantastischen Bildern, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat; der letzte Film mit Heath Ledger, der beim Eintritt in magische Welten durch Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell ersetzt wird...

Schon auf dem Münchner Filmfest waren unsere Redakteuer Andreas Rauscher und Harald Mühlbeyer begeistert:

"Dem Regisseur von Klassikern des neueren phantastischen Films wie „Time Bandits“ und „Brazil“ gelang eine bildgewaltige Urban Fantasy, die eine treffsichere und gegenwartsbezogene Alternative zum martialischen Eskapismus anderer Vertreter des Genres entwirft." - Schrieb Andreas Rauscher, der den Film auch gleich für seine Top 5 des Jahres 2010 reserierte (dem Link folgen, dann runterscrollen).

"Unbeschreiblich. Einfach unglaublich.
Terry Gilliam vollbringt Leinwand-Wunder: Bildwelten, wie man sie noch nie gesehen hat, wie man sie auch nie wieder sehen wird, von einem anderen Regisseur sowieso nicht, von Gilliam wahrscheinlich auch nicht [mehr] - er hat es ja jetzt vollbracht, aus sich herausgeholt, die Phantasie vom "Imaginarium of Dr. Parnassus"." - Schrieb Harald Mühlbeyer.

Redakteur Mühlbeyer hat auch gleich noch ein Buch zum Regisseur Gilliam hinterhergeschoben! Aus Verlagskreisen verlautet, dass es am 13.1. die Druckerei verlassen wird - also einfach eine Woche lang "Parnassus" im Kino anschauen, und dann das Buch dazu lesen! Sie können es einfach in unserem Online-Shop vorbestellen.

Ein Interview von Mühlbeyer mit Terry Gilliam über "Tideland" finden Sie auf Screenshot.

Eine Leseprobe auf den Seiten des Schüren-Verlags.

Bei Libreka können Sie im Buch blättern.

Auf der Homepage des österreichischen Kinomagazins ray ein etwas überarbeiteter Auszug aus dem "Kabinett des Dr. Parnassus"-Kapitel.

Comedy-Schiffbruch: Graham Chapmans „Dotterbart“ / „Yellowbeard“

von Harald Mühlbeyer

Großbritannien 1983. Regie: Mel Damski. Buch: Graham Chapman, Peter Cook.
Darsteller: Graham Chapman (Yellowbeard), Eric Idle, John Cleese, Marty Feldman, Peter Boyle, Madeline Kahn, James Mason, Martin Hewitt, Cheech Marin, Tommy Chong, Kenneth Mars, Spike Milligan.
Keine Extras.
Länge: 88 Minuten
Label: Concorde Home Entertainment


„Dotterbart“ statt „Yellowbeard“: Da wollten die deutschen Titelerfinder mal ganz deutlich machen, dass es sich bei dem Film um eine Komödie handelt. Nicht dass da einer noch was verwechselt, schließlich spielen ja nur die Hälfte von Monty Python, fast der ganze Cast von Mel Brooks „Young Frankenstein“, Cheech und Chong und noch ein paar mehr Komiker mit. Und tatsächlich: einen weiteren deutschen Titel gibt es auch noch, „Monty Python auf hoher See“.

Yellowbeard, der gefürchtete Pirat, sitzt 20 Jahre lang im Gefängnis, verrät aber trotzdem keinem das Versteck eines immensen Schatzes. Und alle sind hinter ihm her: Sein alter Rivale Moon ebenso hinterher wie der Geheimdienst und ein durchgeknallter spanischer Conquistador, dem das Gold ursprünglich mal gehört hat. Yellowbeard macht sich nach der Flucht aus der Haft auf den Weg in die Karibik, alle hinterher, ein großes Durcheinander.

Tatsächlich ist der Film vor allem als ein All-Star-Comedy-Vehikel interessant; der Abspann ist ein Who is Who der Lustigen, und zwar der wirklich Lustigen: So ist Eric Idle ein böser Geheimdienstmann, der sich als harmloser Marineoffizier ausgibt; John Cleese spielt einen blinden Spitzel, bis er plötzlich in die Luft gesprengt wird; und Graham Chapman in der Titelrolle ist wohl so was wie das Mastermind hinter dem Film, er hat auch das Drehbuch mitgeschrieben. Dazu Cheech und Chong als Spanier, aber ohne Joint; Peter Boyle, der bei Mel Brooks das Monster war, Madeline Kahn ist auch Brooks-Veteranin; genau wie Marty Feldman, der sowieso urkomisch ist, zudem alter Cleese-Chapman-Comedykollege; und der während der „Yellowbeard“-Dreharbeiten gestorben ist – tatsächlich fällt einem am Schluss irgendwann auf, dass Feldman aus dem Film verschwunden ist.

Wobei: Es geht sowieso drunter und drüber, und nur mühsam hält die Handlung ihre Szenen zusammen; da kann schon mal irgendwas oder irgendwer durchs Raster fallen. Und das tut es auch: Denn so ist das halt, wenn Chapman dabei ist, man weiß es aus diversen Aussagen von Python-Kollegen: Chapman war faul, hat nicht sehr viel beigetragen, ist mit seiner Pfeife im Mund in der Ecke gesessen – und war genau deshalb brillant: denn wenn er etwas sagte, dann gab er den entscheidenden Dreh. Als Cleese an einem Sketch arbeitete über einen ignoranten Verkäufer, murmelte er schlicht „Parrot“ – und ein Klassiker um einen toten Papageien war geboren...

„Yellowbeard“ nun scheint ebenfalls von Chapman als Zuträger profitiert zu haben; allerdings nur von Zugetragenem, ohne dass eine starke Ausgangsidee oder ein stabiles Strukturgerüst vorhanden wäre. Eine Menge Gags, komische Ideen, Verdrehungen und Verwurstungen sind da aufeinandergeworfen, und das ist auch gar kein Fehler – leider hatte Chapman wohl kein genügend starkes Gegenüber, das die Ideen auch weiter ausführen, weiter treiben, wirkungsvoll zu einem Abschluss bringen konnte; obwohl Co-Autor Peter Cook ja auch einer der britischen Comedy-Urgesteine war, Cleese- und Chapman-Kollege aus alten“Cambridge Footlights“-Tagen...

Da ist der humane, oder besser: verweichlichte Sohn von Yellowbeard, der noch keinen einzigen Menschen getötet hat! Unbegreiflich für den blutrünstigen Pirat. Aber ach: dieser lustige Konflikt wird nur recht läppisch angeklebt, und nichts folgt daraus. Ebensowenig aus der Vergewaltigungssucht von Yellowbeard, vor dem keine Frau sicher ist – was aber wohl auch aus Jugendschutzgründen nicht weiter ausgeführt wird, dabei haben doch die Frauen auch viel Spaß, wenn sie vom Piraten genommen werden... Dass auf einem Schiff der königlichen Marine keine Frauen erlaubt sind, führt zu ein paar Gags, wie trotzdem versucht wird, Frauen aufs Schiff zu schmuggeln; später ist einer der Offiziere eine Frau in Männerkleidung („Mister Prostitute“), aber auch daraus ergibt sich nichts: Lustig wird angefangen, unlustig beendet.

Am Schluss wird’s wieder interessant, da gibt’s eine große Schlacht im Fort des Conquistadors, und der stellt eine Falle: seine Kämpfer sollen sich tot stellen beim Angriff und dann den Briten in den Rücken fallen. Also wird spielerisch gestorben, was das Zeug hält, der Chef begutachtet das ganze während der Schlacht, gibt Tipps zum richtigen Hinfallen, kritisiert zu großen Pathos... Das nun ist wirklich nicht nur schön ausgedacht, sondern auch zu Ende gebracht und effektiv-pointiert inszeniert (was auch nicht immer der Fall ist in diesem Film) – und dann kommt ja schon der Abspann, und man staunt, wer da alles auftaucht. David Sherlock als historischer Berater: der Lebensgefährte von Graham Chapman!

Ja, natürlich ist der Film lustig; aber man merkt: vor allem lustig geschrieben, das Drehbuch zu lesen muss wirklich köstlich sein. In der filmischen Ausführung: da hapert es.
Weshalb der Film empfehlenswert ist für alle, die sich fürs Komische interessieren: Weil hier eine Riege geniale Witzbolde in der Ausführung des Komischen ziemlich versagt.


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Screenshot Top 5 (Teil 2)

Teil 2 unseres Jahresrückblicks - mit den Top-5 unserer Redakteure und Autoren.


Maximilian Miguletz:

"(500) Days of Summer"
"This is not a love story" beginnt der Erzähler. Und doch ist "(500) Days of Summer" ein Film über Liebe, mehr noch über die Auffassung von und den Umgang mit ihr. Nur nicht konventioneller Natur. Eine nonlineare Erzählstruktur, die Erinnerungen an Beziehungen widerspiegelt, die nicht nur sympathischen, sondern zudem hervorragenden Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel, eine Inszenierung, die auf optischer Ebene zwar gelackt daherkommt, aber maximal authentische Figuren kreiert, Originalität fernab von Affektiertheit – ein ehrlicher und dabei trotzdem bezaubernder Film.

"Avatar"
In your face, Skeptiker! James Cameron, der alte Megalomane, hat’s getan. Nein, "Avatar" ist nicht der beste Film aller Zeiten. Aber ein verdammt eindringliches Bombast-Kino, dessen Beitrag fürs 3D-Kino man noch nicht in voller Gänze bewerten kann, dessen 3D- und CGI-Optik aber für ein atemberaubendes Filmerlebnis sorgen. Obligatorisch wird an dieser Stelle eingeräumt, dass der Plot bereits gesehenes aufgreift; na und? Cameron findet genug Variationen und schafft sein völlig eigenes Universum Pandora, das mehrere Lesarten zulässt und vielleicht die beeindruckendsten Bilder des Kinojahres hervorbringt. Außerdem: Wie soll "Avatar" hier fehlen? Dafür macht das Ganze zu großen Spaß.

"Coraline"
Henry Selicks 3D-Stop-Motion-Film überzeugt vor allem auf visueller Ebene, nutzt die dritte Dimension dabei aber nicht im Rahmen plumper Effekthascherei, und konzentriert sich vor allem auf die Ausgestaltung der herrlich originellen Figuren, vor allem Coralines. Der bessere, weil inhaltlich komplexere, originellere und düsterere Animationsfilm des Jahres.




"District 9"
Ganz schön zugig, bei dem frischen Wind im SciFi-Bereich. Überraschendes, originelles Kino, dem man den Action-betonten Schlussteil mehr als verzeihen darf. SciFi, Problemfilm, Action, Thriller, Horror, Splatter – leckere Mixtur. Genres sind doch noch ein Stückchen schöner, wenn sie von Filmemachern wie Neill Blomkamp mit Neugier und Mut rigoros angepackt und durcheinandergebracht werden.

"The Wrestler"
"Why do we care for a bleach-blond battered bruiser? Well, there’s one very good reason: Mickey Rourke." Ben Kingsley benennt damit die große Qualität von "The Wrestler", neben der zurückgenommenen, naturalistischen Inszenierung Darren Aronofskys, den tollen Nebendarstellerinnen sowie dem exakten und ungeschönten Blick hinter die Kulissen des Wrestling-Geschäfts: Rourkes bewegendes Schauspiel, das die Grenze zwischen Fiktion und Realität verwischt.


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Bernd Perplies:


So, da ich im letzten Jahr keine 5 Mal im Kino war (zumindest fühlt es sich
so an), kriegt ihr von mir meine TOP 5 Blu-rays. :-)


5. WALL-E
Herzerwärmende Außenseitergeschichte um den kleinen Bruder von "Nummer 5", der aus Liebe zu einem "iBot" vom Müllmann zum Retter der Menschheit avanciert. Aus dem Bonusmaterial sticht vor allem der interessante Dokumentarfilm "Die Pixar-Story" heraus, aber auch sonst gibt es auf den zwei Silberlingen viel zu entdecken.



4. STAR TREK
Ein Drehbuch voller inhaltlicher Fragwürdigkeiten, aber emotional gut aufbereitet und filmisch mitreißend umgesetzt. Kirk, Spock und Doc McCoy sorgen auch noch 40 Jahren noch für gute Unterhaltung. Das Bonusmaterial bietet umfangreiche Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Films (nur das Gag Reel ist echt schwach - viel zu lachen gab es am Set wohl nicht).

3. BURN AFTER READING
"Osbourne Cox"? Die Komödie der Coen-Brüder um einen desillusionierten CIA-Agenten, dessen dominante Frau, deren windigen Liebhaber und zwei leichtsinnige Fitness-Studio-Angestellten ist ein Hohelied auf den Wahnwitz, der entsteht, wenn Leute, die zu viele James-Bond-Filme gesehen haben, aus einer Mücke einen Elefanten machen. Brad Pitt in einer Paraderolle! Die Klasse des Films lässt auch darüber hinwegsehen, dass das Bonusmaterial ziemlich spärlich ausgefallen ist.

2. WATCHMEN - DIE WÄCHTER
Die vielleicht definitive Reflexion über das maskierte Vigilantentum - nach einem Comic von Alan Moore - biete eine "erwachsene" und in ihren Inhalten diskussionswürdige Superhelden-Geschichte, die trotzdem in tollen Bildern zu schwelgen vermag. Der Silberling überzeugt sowohl in Bild und Ton, und auch das Bonusmaterial ist sehenswert, wenngleich man sich – angesichts des komplexen Themas – einen oder sogar zwei Audiokommentare gewünscht hätte.

1. STAR TREK - ORIGINAL MOTION PICTURE COLLECTION
Ja, die sechs Kino-Episoden um die ursprüngliche Besatzung der U.S.S. Enterprise (Shatner, Nimoy & Co) haben alle schon einige Jahre auf dem Buckel. Ja, sie wurden auch schon in x Editionen herausgegeben. Aber diese hier toppt alles. Neben den Filmen selbst, die trotz ihres Alters in erstaunlicher Bildqualität vorliegen und sich auch heute noch nicht nur mit nostalgischem Blick gut schauen lassen, biete die Collection ein Bonusmaterial, das schlicht und ergreifen üppig zu nennen ist. (Einziger Wermutstropfen: ST I und ST VI liegen nicht im zuvor bereits auf DVD
veröffentlichten Directors Cut vor.)


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Cord Krüger:

Ich muss eingangs beklagen, dass das Kinojahr 2009 für mich zu den eher schwächeren zählt, weshalb ich keinen "Film des Jahres“ angeben kann. Brecher wie "There Will Be Blood“ oder "Michael Clayton“ hätten meine Liste spielend getoppt. Darum nun ohne konkrete Reihenfolge:



"Star Trek"

Weil JJ Abrams zu den wenigen gehört, die wissen, wodurch sich Serien und Kinofilme unterscheiden, was man vom einen ins andere Format transferieren kann und vor allem: was nicht. Im Ergebnis hat mir seit langer, langer Zeit kein Science-Fiction-Film mehr auf so unbeschwerte Weise Spaß gemacht.


"Coraline"

Weil Low-Tech-Animationsfilme rare, beschützenswerte Pflänzchen sind, die mit genau so viel Liebe und Akribie angesehen werden sollten wie bei ihrer Entstehung verwandt wurden.


"(500) Days of Summer"

Weil aus dem Liebesfilm des Jahres auch das Zitat des Jahres stammt: „Tom Hansen grew up believing that he'd never truly be happy until the day he met the one. This belief stemmed from early exposure to sad British pop music and a total mis-reading of the movie 'The Graduate'.“


"Revolutionary Road"

Weil mir noch kein Film zu Gesicht gekommen ist, der das bürgerliche Vorstadtfamilienidyll so gründlich pulverisiert wie dieser. Und Kategorien wie Schuld und Sühne gleich mit.




"State of Play"

Weil mir ein ordentlicher, wiewohl nicht herausragender Politthriller noch immer mehr gibt als das tollste Thesenkino Marke Haneke oder der erzählkünstlerisch schier atemberaubend faule "Dancing with Smurfs"... pardon: "Avatar“.



Zur Versöhnung noch als Bonus meine 5 Magic Moments des Jahres:

- Die Musical-Einlage in „(500) Days of Summer“

- Das letzte Frühstück von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in „Revolutionary Road“

- Die Rollfeld-Rauferei zwische Paul Giamatti und Tom Wilkinson in „Duplicity“

- Max' Ankunft in der dysfunktionalen Wilde-Kerle-Kommune in „Wo die wilden Kerle wohnen“

- Jede Szene mit Christoph Waltz in „Inglourious Basterds“


Teil 1 der Top 5

Teil 3 der Top 5

Screenshot Top 5 (Teil 1)

Was andere können, kann Screenshot erst Recht: Fröhliche Best-of-Listen erstellen.

Unsere Autoren und Redakteure haben für Sie in ihren Denkerkästen gekramt und ihre besten 5 Filme des Jahres 2009 herausgesucht. Der erste Schwung hier und jetzt.

Einen guten Rutsch und ein vorzügliches Jahr 2010 wünschen wir!



Alex Gajic:

"Inglourious Basterds"
Durch seinen Aufbau und seine breiten Pinselstriche ist Tarantinos neuestes Epos eins der gelungensten und der mutigsten filmischen Werke des Jahres. Dabei ist nicht nur der überall gefeierte Christoph Waltz ein Pluspunkt, sondern auch die Frechheit der Geschichtsumschreibung, der untergründige Humor und die Vielsprachigkeit.

"Coraline"
Henry Selick weiß, wie Animation funktioniert, er hat 3D durchschaut und versteht sich ausgezeichnet darauf, vor allem erwachsene Zuschauer das fürchten zu lehren. Aus Neil Gaimans bestem Roman hat er den bestmöglichen Film gezaubert, voller Magie und voller Nervenkitzel.

"Das weiße Band"
Michael Hanekes Film ist eine einzige große Frage ohne Antwort. Dennoch besticht er durch seinen stillen Grusel und die übliche Haneke’sche Gnadenlosigkeit in der Inszenierung.

"Star Trek"
Der gelungenste Franchise-Reboot seit Martin Luthers Reformation. JJ Abrams vermischt die politisch-persönliche Space Opera von Trek mit der Action und der Kinetik von Star Wars. Das clevere Drehbuch umgeht dabei nonchalant die Continuity-Frage und macht einfach ein Paralleluniversum auf.

Mehr zu guten und schlechten Reboots

"Avatar"
Er ist nicht die Revolution des Kinos, aber er rumst und kracht und bietet eine glaubwürdige CGI-Welt und darin einige schöne und eindrucksvolle Bilder und eine gute 3D-Inszenierung. Ab und zu erlaubt es einem ein Film, eine einfach gestrickte Story und schrecklich eindimensionale Charaktere zu ignorieren, Avatar ist einer davon.


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Claudia Bosch:

"Oben"
Beeindruckend tiefgehender Animationsfilm voller herzerwärmender Momente. Das kluge Drehbuch wurde meisterlich auf die Leinwand übertragen und sorgt dafür, dass den Zuschauern mehr als einmal sowohl Tränen der Rührung als auch Lachtränen in den Augen stehen.

"Der Vorleser"
Einfühlsam erzählte, spannend inszenierte und sehr ansprechend fotografierte Literaturverfilmung mit hervorragenden Darstellern.

"Der Junge im gestreiften Pyjama"
Ungewöhnliche, sensibel in Szene gesetzte Geschichte, in der die Holocaust-Thematik aus der Kinderperspektive gezeigt wird. Starke schauspielerische Leistungen der kindlichen Darsteller, die den Schluss umso schockierender wirken lassen.

"Slumdog Millionaire"

Ergreifende, sozialkritische Geschichte, die einen in eine fremde Welt eintauchen lässt. Kreative, ästhetisch reizvolle Inszenierung und geschickt angelegte Montage.

"The Wrestler"
Ein Film, der nahe geht, weil er einen geschundenen Körper und eine verletzte Seele ins Zentrum stellt. Mickey Rourkes hervorragendes Spiel und Darren Aronofskys feinfühlige Inszenierung machen die Einsamkeit des Helden und die Trostlosigkeit seines Daseins greifbar.



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Andreas Rauscher:

"Inglourious Basterds"
Tarantino versteht es nach wie vor sich nicht auf Aufgüsse des eigenen Oeuvres einzulassen. Mit einem ausgeprägten Gespür für die Inszenierung, gewohnt grandiosen Dialogen und einem talentierten internationalen Ensemble schafft er es, die Muster des Exploitation Films subversiv zu überhöhen und mit eigener Handschrift
fortzuschreiben.

"The Hurt Locker"
Nicht nur das Comeback des Jahres, sondern auch einer der besten Filme Kathryn Bigelows. Die unmittelbare und beklemmende Schilderung des Alltags eines Bombenentschärferkommandos im Irak erzielt gerade dadurch kritische Untertöne, indem auf plakative Statements verzichtet wird.

"Der Knochenmann"
Die dritte kongeniale Adaption der Privatdetektiv Brenner-Romane von Wolf Haas, Josef Hader und Wolfgang Murnberger vereint schwarzen Humor und eine absurde Kriminalgeschichte mit melancholischen Untertönen zu einem tragikomischen Austrian Noir. Das Dream Team des österreichischen Kriminalfilms vereint ein ausgeprägtes
Bewusstsein für Genreformen mit einem untrügbaren Gespür für eigenwillige Charaktere.

"Synecdoche, New York"

Charlie Kaufmans in Deutschland leider nur als DVD-Premiere veröffentlichtes Regiedebüt bildet die logische Fortsetzung der in "Adaptation" begonnenen Reflexionen über die Krise des Künstlers unter den Bedingungen der Postmoderne und landet darüber wieder bei den Fragen der Hochmoderne, die nicht zuletzt durch die
hervorragende Besetzung an neuer Aktualität gewinnen.



"Star Trek XI"
Ein Reboot, der Gefahr lief ein überflüssiges Remake zu werden, und sich dann doch als eine der positiven Überraschungen im diesjährigen Genrekino erwies. Das "Lost"-erprobte Team um Regisseur J.J. Abrams fand die richtige Mischung aus serieller Kontinuität und Neuanfang. Die eine oder andere Schwachstelle in der Handlungslogik ließ Serienurgestein Leonard Nimoy durch seine vulkanische Souveränität
schnell vergessen.

Vorschau auf die nächste Jahresbestenliste:

The Imaginarium of Dr. Parnassus - Terry Gilliams furiose
Abschiedsvorstellung für Heath Ledger mit Tom Waits als diabolischem
Trickster gehört auf alle Fälle auch unter die Top 5, da er aber erst im
Januar startet, reserviere ich ihm schon einmal einen Platz für die
Liste 2010.


Teil 2 der Top 5

Teil 3 der Top 5