Grindhouse-Nachlese März 2026: Geistertanz und Pantherkommando
Grindhouse Double Feature, 28. März 2026, Cinema Quadrat Mannheim:
„The Ghost Dance“, USA 1982, Regie: Peter F. Buffa
„Kommando Panther“ / „The Panther Squad“, Frankreich/Belgien/Spanien 1986, Regie: Pierre Chevalier
Es ist ja immer so eine Sache mit den Indianern: Im Film sind das meistens die, die um ’ne Wagenburg reiten und von den weißen Siedlern abgeschossen werden. Schießbudenfiguren, die der manifest destiny im Weg stehen. Typen aus dem Mythos des Wilden Westen, Klischees – im Gegensatz dazu die American Natives, die tatsächlichen Ureinwohner, die als menschliche Wesen, als Individuen mit eigenem Schicksal im Kino kaum vorkommen. Außer in sozial bewussten Dramen, oder so.
Die Unterscheidung ist jedenfalls wichtig zwischen den Indianern, die in den Geschichten der Weißen vorkommen, und den Ureinwohnern, die ihre eigene Geschichte haben, eine meist leidvolle, die nur selten erzählt wird. „The Ghost Dance“ ist zwar eine Geschichte der Weißen, ein Genrefilm noch zumal – aber er erzählt keine Indianerstory, sondern eine Horrorgeschichte der Natives.
Peter F. Buffa kennt sich aus im Horrorgenre: Der Anfang,
eine Ausgrabungsszene auf Reservatsterritorium, ist eine klare Referenz an den
„Exorzisten“, später wird auch auf die klassische Universal-„Mumie“ verwiesen,
natürlich gibt es eine Duschszene mit unheimlichem Beobachter: eine gemeine
Hauskatze, allerdings nur dem Aussehen nach, tatsächlich eine der Formen, die
Nahalla annimmt, ein seit 100 Jahren toter Schamane, der gewaltvoll das Ende
der weißen Vorherrschaft über das amerikanische Land herbeiführen wollte. Der
nun, durch ein Totem-Ritual, im Geist übergeht auf einen anderen Radikalo; ein
Wiedergänger und Gestaltwandler, mit telepathischen Fähigkeiten. Hört sich
abgeschmackt an? Scheint sich auf die typischen Bösewicht-Indianer zu beziehen?
Könnte zu einer „Rot gegenWeiß“-Konfliktsituation führen, nur im Horror, nicht
im Western? Tja, wäre, wäre Fahrradkette – is aber nicht.
Regisseur Buffa kennt seine Klassiker, und zugleich weiß er,
wie er Neues, Originelles erschaffen kann im Horrorfilm. Und wenn dieses auch
nur darin bestehen sollte, neue thematische Gefilde zu betreten, das ist ja
schonmal was! Aber er kann auch inszenieren (im Rahmen seiner zugegebenermaßen
etwas beschränkten Produktionsmöglchkeiten), erschafft jedenfalls eine wirklich
unheimliche Atmosphäre zwischen der Asservatenkammer des anthropologischen
Museums, wo die Nahalla-Mumie aufbewahrt wird, und den Erscheinungen des spirituellen
Wiedergängers, der in seiner Mordserie seinen bösartigen Rachefeldzug
durchführt. Der ist blutig und mit Schock und Schrecken behaftet; aber er
denunziert nie, wo dieser Rachegedanke herkommt: In einer der Ursünden der USA.
Die Ursünde der Sklaverei wird im Blaxploitationfilm seit Anfang der 70er
durchdekliniert, mal mehr, mal weniger offensichtlich (und manchmal auch in der
Exploitation völlig vergraben); hier geht es um die Ursünde von Landnahme und
Völkermord, Anfang der 1980er noch mehr tabu als die Sklaverei, und auch heute
zuwenig aufgearbeitet. Im Film versucht sich Dr. Kay Foster an einer solchen
Aufarbeitung im akademischen Bereich – der Film weiß natürlich, dass er als Low
Budget-Horrorfilm wenig beitragen kann, aber er ist auf jeden Fall ehrlich mit
den Schrecklichkeiten, die die weißen Eroberer den American Natives angetan
haben. Schon, dass er sie nicht zu Mythen-Indianern verniedlicht, ist aller
Ehren Wert!
Im Gegensatz dazu – weil dies wieder einer der
Grindhouse-Abende der großen Kontraste war – hat Pierre Chevalier keine Ahnung,
was er da macht. „Kommando Panther“ ist ein einziges Durcheinander, und
Regisseur Chevalier tut gut daran, sich hinter einem Pseudonym zu verstecken.
Ob es aber bei „Peter Knight“ nicht doch irgendwer irgendwann draufkommen
könnte? Chevalier war damals schon alt – 70 –, und eigentlich muss er sich
nicht schämen, weil „In den Krallen des Unsichtbaren“ von 1970 ein echter
Knaller ist, uh: da gibt es einen Monsteraffen, der unsichtbar ist. Und mit
einer fantastischen Vergewaltigungsszene, bei der sich die Darstellerin nackt
auf Heu räkeln muss und nicht nur sich, sondern auch den Unsichtbaren, der sie
durchkopuliert, darstellen muss. Mega.
In diesem seinem letzten Film hält sich Chevalier sichtbar zurück. Weil man(n) nix zu sehen bekommt, keine nackten Geschlechtsmerkmale zumindest. Dabei wäre Gelegenheit reichlich gegeben, besteht das titelgebenden Panther-Kommando doch aus lauter heißen Miezen, die mit den Waffen einer Frau nicht geizen. Das heißt, sie rennen im Bikini rum und ballern mit ihren Piffpaffpistolen, sprich: mit allerhand Schusswaffen, weil das ist so ein Girls-with-Guns-Film.
Jetzt ist es aber so, dass diese Damen nicht mehr können als
rumstehen, und das auch nur recht mühsam, weil sie nicht wissen, wie das so ist
mit dem Filmen. Und weil sie nicht nur Dasteherinnen sind, sondern sowas wie
Darstellerinnen sein sollen, müssen sie sich bewegen und müssen reden, und da
hapert es schon stark. Weil sie eher rumstaksen und weil sie eher plappern. Wahrscheinlich
– ich will das gar nicht weiter recherchieren – sind die meisten der
Panthergirls Mannequins, die in ihrem wirklichen Leben mehr oder weniger nackig
vor Fotokameras posieren. Hier aber bekommen sie es plötzlich mit so etwas wie
Handlung zu tun, huch!

Naja, Handlung. Da macht der olle Chevalier es sich und
seinem Cast schon einfach. Man muss das wirklich mal konstatieren: Es gibt
einen Drehbuchautor, Georges Friedland! Der hat sich eine tolle Prämisse
ausgedacht: Die Erde wird von einer globalen Regierung geführt, die ist gut,
alle Länder sind demokratisch vertreten, heißt N.O.O.N. – Neue Organisation der
Nationen. Da wird beschlossen, dass der Weltraum urbar gemacht werden muss, und
deshalb werden Raketen rausgeschossen, soweit so Science Fiction. Die Gefahr
kommt aus der außerparlamentarischen Opposition: Eine Gruppe radikaler
Umweltschützer stellt sich dem Plan entgegen und manipuliert eines der
Raumschiffe, so dass es keine Lenk-Orders von der Erde mehr bekommen kann! Menno,
Funkverkehr gestört, die Rakete rast in den sicheren Orbit-Tod! Diese verdammten
Klimaterroristen!
Erpressung der N.O.O.N.-Staaten folgt auf dem Fuße: Das
Weltall darf nicht besiedelt werden, weil die Menschen die Weite des Raumes nur
genauso beschmutzen und letztlich kaputtmachen werden wie die Erde, so die
Forderung. Eigentlich stichhaltig, im Film aber komplett verwerflich. Die
Mittel der Radikalinskis: nicht nur Sabotage, auch Entführung! Deshalb
schließen sich die Nationen zusammen, und das ist so putzig anzusehen: Geben
Sie mir Brüssel! – und zack, ist der Typ aus Brüssel am Telefon. Zack, der
General, zack, die Raketenüberwachungsstation: Eigentlich ist das ganz
geschickt, denn alles wird weggeschnitten, was unnütz ist, also das
Telefonwählen, das Sichverbindenlassen und so. So narrativ clever, wie es scheinen
mag, ist es natürlich nicht: Tatsächlich ist es einfach Quatsch aus Unvermögen.
Keiner der am Film beteiligten interessiert sich für Kameraführung, Filmmontage,
Dramaturgie, schon gar nicht sowas irrelevantes wie Schauspielführung oder so.
Nee, man macht einfach mal und wurschtelt sich durch, mehr schlecht als recht.
Und wahrscheinlich wissen die Leutchen auch alle, dass das ziemlicher Mist ist,
und lassens grad deshalb laufen, weil das ist ja letztlich der einzige Grund,
warum sowas noch 40 Jahre später im Grindhouse-Kino läuft!
Aus der schönen Weltregierungsprämisse wird natürlich nix, weil der SciFi-Part bald abgeschlossen ist und sowas wie ein Agentenfilm entsteht – hihi, jetzt hätt ich fast „Thriller“ gesagt!
Nee, hier zeigt sich die wirkliche Gleichgültigkeitshaltung
des Films: Weil eine veritable James-Bond-Parodiefigur auftaucht, ein
dauerbesoffener Typ, der im Exotischen weilt und alles lässig nimmt. Heißt: Er
macht nix, ist aber der große Zampano – wobei er im Film nix zu melden hat, seine
Aufgabe vor allem: Wenn der Paketdienst kommt, dann muss er ein Paket annehmen.
Ja, echt jetzt, und als das Paket dann kommt, das ist ja so furchtbar wichtig, dann übergibt er es an die Frau Panther und ihre Spießgesellinnen, und das darf immer noch nicht aufgemacht werden, sondern nur im äußersten Notfall!
Dieser Notfall tritt nach viel hin und her ein, nachdem wir
gelernt haben, dass die Klimaterroristen – die sind so böse die ganze Zeit! –
eigentlich auch nur gelinkt worden sind von einem größenwahnsinnigen Superschurken,
der die Weltherrschaft und so weiter, und vor allem hat er auch eine tolle Superschurkenunterkunft,
hypermodern, das ist das Technologiezentrum, von dem aus der Weltraum
kontrolliert, ach was weiß ich. Jedenfalls gibt es da einen Parkplatz, und als eigentlich
überhaupt keine große Not ist, also keine größere als vorher oder nachher, weil
einen wirklichen Höhepunkt gibt es natürlich nicht, weil es ja auch keine
Spannung oder Dramaturgie oder sowas gibt, jedenfalls packen sie das Paket aus,
und. Ich sage nur: Laser! Der wird übrigens nicht genutzt, um die Zentrale der
Bösen zu pulverisieren, da wär’ der Film zu schnell zu Ende. Und wir wollen ja
mehr von diesem Blödsinn haben! Das immerhin hat der Herr Knight aka Chevalier
richtig gemacht.
Harald Mühlbeyer







