Grindhouse-Nachlese Februar 2026: „Invasion U.S.A.“ und „Ninja: Silent Assassin“

Grindhouse Double Feature, 28. Februar 2026, Cinema Quadrat Mannheim:

 

„Invasion U.S.A“, USA 1985, Regie: Joseph Zito

 

„Der schwarze Tiger“ / „Ninja: Silent Assassin“ / „Black Ninja“ / „Knight & Warrior“, Hongkong 1987, Regie: Godfrey Ho


Jetzt ist Chuck Norris gestorben, heißt es. Naja, vielleicht ist er auch einfach hinter dem Sensenmann her. Sicher ist, dass dieser Stahltitan Ende März erstmals der Grindhouse-Leinwand einen Besuch abgestattet hat, um Amerika zu retten.

 

Eine Armee ausländischer Terroristen überfällt die USA und verursacht eine Welle von Gewalt. Chuck Norris stellt sich dagegen. „Invasion U.S.A.“ ist eine Cannon-Produktion über Inlandsterrorismus, das hatte man in den USA bis 2001 ja nicht so wirklich in echt gekannt, dass da ein wirklicher Angriff kommen könnte, und deshalb haben Regisseur Joseph Zito und Drehbuch-Coautor Chuck Norris und die Produzenten Yoram Globus und Menahem Golan nicht so wirklich einen Plan für die Angreifer, die eher so random operieren und zum Beispiel in Polizei-Verkleidung ein paar Latinos massakrieren und mit einem Raketenwerfer Einfamilienhäuser in die Luft sprengen, mitsamt den weihnachtlich vorfreudigen Familien drin, oder sie zerbomben ein Einkaufszentrum. Der Terrorboss sagt mal was davon, dass die USA und die Amis überhaupt so überheblich sind und es sowieso viel zu viele gibt, und haha, sie ahnen gar nicht, was auf sie zukommt, und für die Behörden – Polizei, FBI, Armee – ist das Schlimmste, dass durch die Gewalt die Bevölkerung gegeneinander aufgewiegelt wird. Sogar eine Frau ist dabei, eine Reporterin, die überall auftaucht – das zeugt von unheimlich modernem Vibe mit dem Bemühen, nicht einfach nur einen Männerfilm zu drehen, andererseits ist es egal, weil die Frau nix macht, nicht mal eine Liebesgeschichte generiert.

Chuck Norris als Matt Hunter weiß zwar nicht, was vor sich geht, aber er kämpft dagegen an. Und das ist ja das Tolle an ihm: Er weiß immer, was passieren wird, und er weiß, dass ihm nichts passieren wird.

James Bond zum Beispiel weiß auch, dass ihm nichts passieren wird, und wir, das Publikum, wir sind uns sicher, dass er wiederkehren wird – denn auch wenn ihm etwas passiert: die Figur lebt ewig, auch wenn sie andere Gestalt annimmt. Bond ist ein Archetyp, der immer wieder neu aufersteht, eine immerwährende Instanz, bei der lediglich die Zuschauer diskutieren können, welche Reinkarnation denn nun „besser“ ist, was auch immer das heißen möchte. Bei Chuck Norris ist es ähnlich, aber noch reduzierter, noch einfacher: Er sieht immer gleich aus, schon immer, er wird gleich aussehen bis ans Ende unser aller Tage, und er guckt immer gleich, und er macht immer das Gleiche; als Archetyp aller Archetype, der dann im Baustellenstau plötzlich auftaucht, weil er weiß, dass ein paar Bösewichter eine Bombe an einem Schulbus drapiert habe, und nicht nur kann er im Fahren die Bombe entschärfen, in den verbleibenden Sekunden die Schurken einholen und deren Auto in die Luft sprengen, nein, er hat mal von vornherein und überhaupt gewusst, was da generell so los ist.

Diese absolute Überlegenheit, gepaart mit stoischer Gelassenheit, das ist ein Ideal, das wir wohl alle zu erreichen trachten und dem wir niemals auch nur in allernächste Nähe kommen werden. Chuck Norris ist wie ein Magnet, der alles anzieht – er steht still, und die Filmhandlung formiert sich um ihn, so, wie im Comic alles Metallene dem Riesenmagneten entgegenfliegt: Pistolen und Maschinengewehre und Autos und Schulbus und Kanonen und Panzer, alle gruppieren sich in ihren Handlungsfragmenten um das Norris-Gravitationszentrum.

Norris’ enorme Macht zeigt sich im Finale, als er allein durchs Gebäude streift, wo sich der Oberböse versteckt hält, um ihn endlich zur Strecke zu bringen, während außen die US-Armee die letzte große Schlacht gegen die Terrorsöldner führt; und die regulären GIs sind so doof, dass sie vor ihren Panzern in „Deckung“ gehen, also locker abgeknallt werden können, immerhin zerschießen die Panzer mit ihren langen, harten Kanonen die Fahrzeuge der Bösen und auch die Bösen selbst – aber so viel Aufwand hat Chuck halt gar nicht nötig, weil er sich selbst genügt.

Und ich möchte explizit anmerken, dass ich alle, wirklich alle Chuck Norris-Witze kenne, die es auf der ganzen Welt gibt, gab oder geben wird. Nur Chuck Norris kennt einen mehr, wo immer er jetzt ist.

 

„Ninja: Silent Assassin“ prunkt mit einem ganz besonderen Unique Selling Point: Alphonse Beni, der Hauptdarsteller, stammt aus Kamerun und ist schwarz und bringt hier volle Ninja-Action. Daher auch der deutsche Titel „Der schwarze Tiger“, unter dem man sich nicht das vorstellen kann, was der Film bietet: eine lange, lange, laaange Todesszene der liebsten von Alvin, unserem schwarzen Cop/Ninja, die sterbend eine lange, lange, laaange Ansprache hält über ihre Liebe und die schöne Uhr, die sie ihm zum Hochzeitstag und so weiter, jedenfalls kriegen wir da erst mit, was Alvin kann, als zwei schwarzgekleidete Ninjas ihn in seiner Wohnung angreifen und er so mit den Händen vor den Körper und Stopptrick – und er ist Ninja und zack.

Oder die beiden (!) Bösewichter Rudolph und Norman, die sich zusammentun. Oder Richard Harrison, der zweite Ninja-Meister namens Gordon, der irgendwie auftaucht und mithilft, die Bösen zu bekämpfen. Oder natürlich – führt das zu weit? – der Handlungsstrang um Tiger und Edmond und Vivian, die letztere irgendwie so Undercovercop, angeblich, aber in Wirklichkeit, also in produktionstechnischer Wirklichkeit sind die aus einem anderen Film, nämlich ausm taiwanesischen Kriminalfilm „Nu tai bao“ von 1983, den Godfrey Ho freimütig recycled, indem er die Szenen jenes Films in diesen seinen Film einbaut.

Das macht er ja gern, wir hatten schon das „Frauenlager der Ninja“ und „Mission Thunderbold“ in ähnlicher Manier im Grindhouse, und natürlich „Ninja: Champion on Fire“, bei dem Ho ungenannt Regie führte, zusammen mit Joseph Lai, nicht von ungefähr Produzent von „Ninja: Silent Assassin“; und von „Mission Thunderbold“…

Weil Altes aufzukaufen und neu zu verwursten wahrscheinlicher billiger ist als selbst zu drehen, haben wir hier eine Story, die in Paris beginnt (ohne dass wir Paris sehen) und wo’s um die Kontrolle über den Hafen von Aberdeen geht (den wir nicht sehen), und zwar indem Tiger die Gewerkschaft übernimmt und damit den Drogenschmuggel ermöglicht (das ist der alte Film), und außerdem kämpfen zwei gute Ninja gegen zwei böse Ninja, und die Bösen haben natürlich noch Helfershelfer, die auch Ninja sind, das ist der neue Film.

Richard Harrison guckt monoton in die Welt, und dann kämpft er, und Alphonse Beni guckt immer mal wieder so wie einer, der versucht, traurig zu sein, weil seine Frau ist ja tot, und er kämpft, und die Connection zwischen altem und neuem Film, die ist gelungen, weil wir einmal Tiger aus dem alten Film mit Norman aus dem neuen Film in dessen Büro miteinander sprechen sehen, das muss ein Double sein oder auch geschickte Filmmontage. Also ein Angelpunkt, von dem aus wir immer wieder zwischen altem und neuem Material hin- und herspringen, und das funktioniert sogar ziemlich gut, wenn man in Betracht zieht, dass das Ganze halt total irre ist, weil sich die Typen im Handumdrehen (buchstäblich!) in Ninja verwandeln. Das hat was von unseren geliebten mexikanischen Catcherfilmen, wo El Santo und Co. dauernd ihre Masken aufhaben, aber in Anzug rumlaufen – die Ninja zwar ohne Maske, aber innerlich stets bereit, das Schwert zu ziehen oder Sternchen zu werfen.

Godfrey Ho ist einer, der perfekt aufspringt auf den Ninja-Zug der 80er, hier einen ultimativ internationalen Hongkong-Film dreht, nämlich inkl. echtem Taiwan-Material und gespickt mit westlichen Darstellern, die ständige Action versprechen. Er fährt halt schwarz auf dem Ninja-Zug.

 

Harald Mühlbeyer