Hofer Filmtage - Genre? Gerne!
Eigentlich hatte ich's nicht vor; aber jetzt muss ich doch nochmal diese Sache mit dem Naserümpfen über "Cold Blood" aufgreifen, es lässt mich nicht los. Weil im Q&A mit Ruzowitzky so ein grundsätzliches Misstrauen gegen "Hollywood" aufgeschienen war, eine filmkunstbeflissene Attitüde, die weiß, was Kultur ist und zu sein hat. Überinterpretiere ich das was? Oder empfange ich hier doch die richtigen Vibes?
Ist das eine Genderfrage, haben hier die Frauen das Sagen beim Akzeptieren oder Ablehnen von filmischen Formen? (Die Naserümpfer bei Ruzowitzky waren männlich!). Oder wird einfach mit zweierlei Maß gemessen, wenn der eine das Genre bedient, ist es Mainstream, wenn's die andere tut, ist es wunderbar romantisch? Oder sind Männer - um mal bei der Genderthese zu bleiben - kritischer als Frauen, reicht es denen, wenn sie schön was fürs Herz bekommen? Oder ist es einfach besser, wenn Pierce Brosnan flirtet, als wenn Eric Bana killt?

Pitt hat sowieso die Fäden in der Hand - und muss doch immer auf Grünes Licht von Oben warten, vom "Aufsichtsrat" des Syndikats, da sind Gremien, da muss das Budget genehmigt und kontrolliert werden, da müssen Maßnahmen abgesegnet werden. Und Pitt, zart im Umgang und hart in der Sache, killt am liebsten sanft, ohne, dass ihm die Gefühle der Opfer im Angesicht des Todes auf die Nerven gehen. Während die Kleinkriminellen ganz eigene Typen sind, darüber brauchen wir gar nicht reden hier.
Die Dialoge sind brillant, auf den Punkt gebracht; und im Hintergrund, in den News, läuft der Wahlkampf Obama-McCain vor vier Jahren, im Zeichen der großen Finanzkrise, die längst auch die Unterwelt im Griff hat. Ein brillantes, pervertiertes Bild von Amerika ist das, so, wie es ein Gangsterfilm sein muss: America is business, das nehmen wir mit den letzten Worten des Films mit nach Hause, und wir werden es uns merken.
So, muss jetzt zum nächsten Film, bis morgen, liebe Freunde
Harald Mühlbeyer