DVD: „Das weiße Band“ – Auch ohne Oscar viele Blicke wert

Österreich/Deutschland 2009. Regie, Buch: Michael Haneke


Der deutsche Film des Österreichers Michael Haneke („Funny Games“, „Caché“) hat nicht den Oscar als bester nichtenglischsprachiger Film gewonnen. Aber eine Menge andere Preise, darunter die Goldene Palme in Cannes. Die jetzt erscheinende Einzel-DVD und die Deluxe 2 Disc Edition bietet nun die Möglichkeit, den Film noch einmal oder gar zum ersten Mal anzusehen, was sich in jedem Fall lohnt.

Erzählt werden Ereignisse des Lebens in einem norddeutschen Dorf in dem Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Durch die Geschichte leitet der Voice-over des Schullehrers aus einer nicht genau benannten späteren Zeit. Die mehrfach mit Auszeichnungen gewürdigten Aufnahmen des Kameramanns Christian Berger zeigen das Dorfleben in Schwarzweiß, in kunstvollen Arrangements. Hier wird Hanekes Herangehensweise an das historische Thema deutlich: Wie in diversen Interviews von ihm ausgedrückt, verabscheut er Filme, die versuchen so zu tun, als würden sie wirklich die vergangenen Zeiten abbilden, weil sie dadurch für ihn jegliche Glaubwürdigkeit verlieren. Seine Erzählweise vermeidet diesen Eindruck durch die zweifache Abstraktion. Einerseits ist der Film, da von dem Lehrer erzählt, eine subjektive oder zumindest unzuverlässige Erinnerung. Der Verzicht auf Farbe vermindert ebenfalls den Eindruck einer möglichst realistischen Abbildung. Somit soll sich der Zuschauer von vorneherein bewusst sein, dass er keine Dokumentation der Tatsächlichkeit vor sich sieht.

Dies hilft beim Umgang mit dem Inhalt. Die episodenhafte Dramaturgie, verbunden durch den Voice-over, bewirkt eine Struktur des Films, die an Romane oder Stücke erinnert, die anhand der Darstellung einer kleinen Gesellschaft größere Zusammenhänge darstellen wollen – man denke an Thornton Wilders „Our Town“. Wie in solchen Werken schildert Haneke anhand des Alltags die Machtstrukturen und Beziehungen zwischen den Personen. Und ebenso wie das epische Theaterstück Wilders hat wohl auch Haneke eine gewisse Belehrung oder zumindest Anregung des Zuschauers im Sinn. Seine erwachsenen Figuren tragen alle keine Namen, sondern ihre Berufs- beziehungsweise Standesbezeichnung. Er schafft so eine exemplarische Darstellung des Lebens zu Beginn des 20.Jahrhunderts, besonders dem auf dem Land. Dort haben die Adeligen eine unangreifbare Autorität inne, die ihnen verpflichteten Dorfbewohner sind sogar eher dazu imstande, ihre eigenen Kinder zu prügeln, als bei dem Gutsbesitzer in Ungnade zu fallen. Diese Hierarchie gliedert das gesamte Dorf, weist jeden seinen Platz zu, dem er anscheinend nicht entfliehen kann.

Die Bedeutung und die Auswirkung dieser festgefahrenen und komplizierten Strukturen behandelt Haneke durch die Darstellung des kindlichen Lebens in dieser Art der Gemeinschaft. Kinder haben im Allgemeinen einen großen Freiheitsdrang und müssen die Regeln ihrer Umgebung erst mit den Jahren lernen. Dieses Erlernen der Verhaltensweisen, der Pflichten und Verbote festigt in ihnen ein bestimmtes Moralverständnis, eine Vorstellung von der Welt, sind prägend für ihr Verhalten als Erwachsener. Haneke zeigt eine Vielzahl Kinder aus verschiedenen Familien und jeden Alters. Fast allen widerfährt irgendeine Art Misshandlung, sei sie physischer oder psychischer Natur. Oft sind gerade die Eltern die Urheber dieser Übergriffe. Besonders sticht hierbei der Pfarrer heraus. Seine große Kinderschar wird unter sehr strengem Regiment gehalten, für nichtige Vergehen werden sie mit Schlägen und, schlimmer noch, mit Folter an ihren Gefühlen bestraft. Am Ende des Films liegt sogar die Vermutung nahe, dass es die Kinder, vor allem die Pfarrerskinder, sind, die für die geheimnisvollen und unheilvollen Vorkommnisse in dem Dorf verantwortlich sind.

Da wird ein fast tödlicher Anschlag auf den Doktor verübt und einem behinderter Jungen die Augen ausgestochen. Alles scheint aus einem fehlgeprägten Gerechtigkeitssinn der Kinder zu entspringen. Da ihre Eltern angeblich im Namen der Wahrheit und der Liebe Schreckliches tun, ihnen und ihren Dorfnachbarn gegenüber, bauen die Kinder dieses Verhalten zu einem eigenen System aus, indem sie deren Regeln als absolute, gnadenlose Gesetze verfolgen. Anders als der Thornton Wilder wirft Haneke keinen irgendwie doch optimistischen Blick auf die Zeit und das Leben damals. Es ist zwar nicht so, dass es gar keine positiven Moment gibt, da gibt es Geschwister, die zueinander halten, oder aufkeimende junge Liebe, doch über allem liegt der Eindruck von dauerndem Zwang, ewiger Unfreiheit und ständig drohender Gewalt. Diese Stimmung wirkt sich auch auf den Zuschauer aus. Kritiker warfen Haneke daher vor, er manipuliere sein Publikum, ließe ihnen keinen Ausweg als seine Perspektive auf diese vergangene Zeit am Ende in ihrer Reaktion auf das Gesehene zu adaptieren. Dazu sollte natürlich bemerkt werden, dass die meisten Filme, auch viele, die für sehr gut gehalten werden, eine klare Position einnehmen. Zudem legten auch Hanekes frühere Filme durchaus schon öfter klare Schlussfolgerungen über das Thema nahe.

Auch bleiben natürlich Fragen und Handlungsstränge ungeklärt. Für die ungewöhnlichen Zwischenfälle im Dorf liegt die Lösung am Ende recht deutlich vor dem Auge des Zuschauers. Doch bietet das gesehene Panorama des Dorflebens viele verschiedene Episoden, die vage bleiben. So beispielsweise das Schicksal des Doktors und seiner Familie. Diese nicht vollkommen erklärbaren und abschließbaren Erzählstränge sind einerseits der Tatsache zuträglich, dass Haneke den Zuschauer von Anfang an aufmerksam die Glaubwürdigkeit der Geschichte untersuchen lässt. Auch können sie als Warnung darauf gesehen werden, das Thema des Films zu einseitig in eine Interpretationsrichtung zu zwingen. Zwar kann natürlich eine Beschäftigung mit dem Faschismus durchaus erkannt werden, doch ist der Film sicher nicht als Gesamtheit eine Beschäftigung mit dem Dritten Reich.

Viel interessanter scheint eben gerade die eigentümliche Beschäftigung mit unserer deutschen Vergangenheit. Bearbeiten Filme diese, geht es selbstverständlich am häufigsten um den Nationalsozialismus. Die Zeit hingegen, die Haneke uns zeigt, kennen wir in deutschen Filmen eher in Geschichten der nostalgischen, kitschigen Verklärung. „Das weiße Band“ bietet dem Publikum aber die Möglichkeit, die Missstände in der damaligen Gesellschaft zu erkennen und somit die eigene Vergangenheit zu überdenken. In Kinematographien anderer Länder lassen sich ähnliche Behandlungen gerade dieser Vergangenheit auch finden. Als Beispiel sei der zwar optimistischere „Fanny und Alexander“ von Ingmar Bergman genannt, der aber in der Darstellung der Quälereien an Kindern im Namen des protestantischen Glaubens durchaus Parallelen zu Hanekes Film aufweist. Die dargestellten Lebenszusammenhänge in „Das weiße Band“ verweisen natürlich zu gleichen Teilen auf die noch ältere Vergangenheit Deutschlands, die diese Systeme etablierte, sei es das Feudalwesen des Mittelalters, die Macht der Kirchen oder die Obrigkeitshörigkeit seit Vorherrschaft Preußens, und auch auf die Auswirkungen auf spätere Zeiten, vielleicht sogar bis in die Gegenwart. Auf jeden Fall hat das Thema auch ein hohes Maß an Aktualität inne, denn natürlich können sich auch heute in bestimmten Gemeinschaften oder Gesellschaften derart schadhafte Machtgefüge ausbilden und Unterdrückung und Folter im Name der Erziehung furchtbare Auswirkungen in den Seelen der Kinder haben.

Die Deluxe-Edition der DVD beinhaltet eine Disc mit sehr sehenswertem, aufschlussreichem und spannendem Bonusmaterial. Darunter befindet sich ein Making Of, das tiefe Einblicke in das Entstehen des Films, die Suche nach den Schauspielern und Hanekes Arbeitsweise ermöglicht. Außerdem findet sich darauf eine Dokumentation über den Erfolg des Films bei den Festspielen in Cannes, mit Aufzeichnung der Pressekonferenz und der Preisverleihung. Ein Dokumentarfilm über Michael Hanekes bisheriges Werk mit Einblicken in sein Privatleben von Gero von Boehm und Felix von Boehm aus der Arte-Reihe „Mein Leben“ rundet die Zusammenstellung ab.

Elisabeth Maurer


„Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“
Regie, Buch: Michael Haneke. Kamera: Christian Berger. Produzenten: Stefan Arndt, Veit Heiduschka, Michael Katz, Margaret Ménégoz, Andrea Occhipinti.
Darsteller: Christian Friedel, Leonie Benesch, Ulrich Tukur, Ursina Lardi, Fion Mutert, Michael Kranz, Burghardt Klaussner und viele andere
Verleih: X-Verleih
Laufzeit: 138 min
Veröffentlichung: 5.3.2010


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Lesen Sie auch unseren Bericht über "Das weiße Band" vom Münchner Filmfest 2009.

DAS FENSTER ZUM HOF in Wiesbaden


Am Samstag, 13. März, zeigt das Wiesbadener Caligari Kino Hitchcocks Meisterwerk DAS FENSTER ZUM HOF. Dazu liest Thilo Wydras aus seinem Hitchcock-Buch.

Mehr Infos HIER

DVD: „Chéri – Eine Komödie der Eitelkeiten“ - Erzieherin im Jugendstil

Großbritannien, Frankreich, Deutschland 2009. Regie: Stephen Frears.


Es gibt in der Kunst der Belle Epoque um 1900, vor allem im Jugendstil, von dem auch die Ausstattung von „Chéri“ geprägt ist, zwei vorherrschende Frauentypen: die „femme fatale“ und die „femme enfant“. Lea de Lonval (Michelle Pfeiffer) gehört eindeutig zu der ersten Kategorie. Als Edelkurtisane in Paris lebte sie jahrelang im Kreise der reichsten Männer und galt als Schönste ihrer Zunft. Mittlerweile ist sie über 40 und etwas ruhiger geworden. Ebenso ergeht es ihren Weggefährtinnen, notgedrungen über die Jahrzehnte zu den besten Freundinnen geworden, weil ihr Beruf neben allen finanziellen Vorteilen eben doch eine gewisse Abgeschiedenheit mit sich bringt. Eine der Damen, Madame Peloux (Kathy Bates), hat einen neunzehnjährigen Sohn, dem sie seine unbesonnene Lebensführung abgewöhnen möchte, damit er nicht eines Tages im Rausch von Sex und Drogen der Pariser Bordelle zugrunde geht. Weil sie selbst nicht mit ihm klar kommt, bittet sie Lea um Hilfe. Diese kennt den Sohn schon seit seinen Kindertagen, sie gab ihm den Spitznamen, unter dem er bekannt ist: Chéri. Auch er erfand als Kleinkind einen Kosenamen für die ältere Frau, nämlich Nunu, wie er sie jetzt während ihrer Affäre auch wieder nennt.

Hier sind schon die Konflikte und Themen deutlich, die den Film und die Liebesgeschichte zwischen der alternden Hure und dem jungen Lebemann ausmachen werden. Denn Chéri ist durchweg eine Frucht des Lebenswandels, dem Lea und die anderen Frauen nachgehen. Er wuchs auf inmitten der Kurtisanen und Tänzerinnen, die die Männer für Geld und Status begehrten, aber sie nie liebten, die kokett, frivol, frei und abhängig zugleich waren. Einen Vater hat er offensichtlich nie erlebt, generell tauchen in dem Film keine erwachsenen Männer auf, nur Jünglinge oder lüsterne Freier. So entwickelte sich Chéri zu genau dem, was ihm als Vorbild angeboten wurde, im Prinzip führt er das Leben einer Edelprostituierten. Die sechs Jahre, die er an Leas Seite verbringt, lässt er sich nämlich auch von ihr finanziell aushalten, obwohl er genügend Vermögen hat. In einem Gespräch zu Beginn ihres Verhältnisses bittet sie ihn, etwas von sich zu erzählen, worauf er antwortet: „Da gibt es nichts.“ Er ist die Verkörperung der nur auf ihre Zerstreuung und ihr Wohlsein erpichten Koketten. In derselben Unterhaltung betrachtet er ihre Perlen, sechs Jahre später wird er selbst sagen, dass sie ihm genauso gut stehen wie Lea selbst.

Mit seiner Mutter, die ihren Beruf längst abgelegt hat und sich für ihn und sich ein sittsames Leben wünscht, kann er nichts anfangen. Lea hingegen ist für ihn nicht nur Rollenmodell und perfekte Liebesgespielin, sondern zu großem Teil Mutter und Erzieherin. Zunächst lehrt sie ihn in Dingen der körperlichen Liebe, ihre Beziehung ist stets im Hauptteil sexuell, doch ihre Wesensverwandtschaft, die Gewöhnung und die gemeinsam verbrachte Zeit führt bei beiden doch zu tiefer Liebe. Ob dies die Liebe eines Paares oder doch eher die zwischen Mutter und Sohn ist, lässt sich nicht wirklich trennen, auf jeden Fall ist sie echt, auch wenn sie beide dies zu spät begreifen werden.

Denn durch seine Jugend und sein Geschlecht kann Chéri seine Lebensart auf die Spitze treiben. Als nämlich die „femme enfant“, die von seiner Mutter ausgesuchte, sehr junge Braut, in sein Leben tritt, nimmt Chéri an, er könne eine Ehefrau haben und trotzdem weiterhin mit Lea seine Zeit verbringen. Er weiß eben einfach nicht, wie er sich als Mann zu verhalten hätte. Hier aber zeigt sich Leas Stärke, sie kann sich nicht in der Rolle der Geliebten wiederfinden, nicht wenn es um Chéri geht. Daher beendet sie die Affäre, doch beide haben danach unter starkem Trennungsschmerz zu leiden. Chéri wirft ihr am Schluss vor, dass sie für seine kindische und verantwortungslose Art verantwortlich sei. Lea scheint diese Schuldzuweisung wegen ihres Alters und ihres lockeren Lebens anzunehmen. Geschickt erklärt die Voice-over des Films im Nachhinein, dass beide später erkennen werden, dass ihre Liebe vielleicht ungewöhnlich, moralisch und persönlich kompliziert war, aber doch das einzig Wahrhaftige in ihren Leben darstellte.

Der Jugendstil dominiert das Dekor und die Kostüme des Films. Die üppigen floralen Ornamente und organischen Formen lassen die Räume beinahe phantastisch erscheinen, losgelöst von der wirklichen Welt. So wie die Figuren, die sich auch in ihrem eigenen Zirkel einer Art Phantasiewelt hingeben, die Realitäten des Lebens nicht wirklich annehmen wollen. Dem Jugendstil als Kunstrichtung der vorletzten Jahrhundertwende, zu deren Zeit viele gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche Umwälzungen und Neuerungen stattfanden, haftet auch der Gegensatz zwischen Endzeitstimmung und Hoffnung auf einen Neubeginn an. Es ist aber nicht so, dass Lea als ältere und Chéri als der Jüngling jeweils eine Richtung verkörpern würden. In beiden Hauptcharakteren schwingt dieser Gegensatz mit, jeder muss seinem Leben eine neue Richtung geben oder er wird untergehen. Doch leider geben sie ihrer Liebe keine Möglichkeit zur Neugeburt und damit ihren Leben den Anstoß zu einer echten Veränderung.

Die leichte Erzählweise von Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“, „Die Queen“) und die großartige Ausstattung machen diese unglückliche und trotzdem sehr unterhaltsame Liebesgeschichte sehenswert.

Auf der DVD befindet sich neben Trailer und entfallenen Szenen ein kurzes Making Of. Zudem kommt die DVD mit einem recht umfangreichen Booklet mit Hintergrundinformationen und Romanauszügen der Vorlage.


Elisabeth Maurer



„Chéri – Eine Komödie der Eitelkeiten“
Regie: Stephen Frears.Drehbuch: Christopher Hampton nach dem Roman von Colette. Kamera: Darius Khondji. Musik: Alexandre Desplat. Produzenten: Andras Hamori, Bill Kenwright, Thom Mount, Tracey Seaward.
Darsteller: Michelle Pfeiffer, Rupert Friend, Kathy Bates.
Verleih: Prokino
Laufzeit: 89 min
Veröffentlichung: 11.3.2010


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DVD: "Die innere Sicherheit" - Gefühlte Auberginen

Deutschland 2000. Regie: Christian Petzold


Entstanden als Zusammenarbeit zwischen Preview Production, ALIVE AG und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, feiert die DVD Edition „Momente des Deutschen Films“ Meisterwerke der deutschen Filmgeschichte. Die erste Staffel der Reihe zeichnet mit ihren zehn DVDs deutsche Lebenswelten von der Weimarer Republik über die Nachkriegsjahre bis hin zum geteilten und wiedervereinigten Deutschland.
Anfangend mit Fritz Langs „Frau im Mond“ verfolgt „Momente des deutschen Films“ Kardinalpunkte der deutschen Filmgeschichte bis hin zu Christian Petzolds Film aus dem Jahr 2000 „Die innere Sicherheit“, der ein Jahr später mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Mit einem programmatisch doppeldeutigen Titel wendet sich Petzolds Film von der typischen Darstellung der RAF im Film ab, auf Glamour, Starbiographie und inszenierte Darstellung verzichtend, und richtet stattdessen einen Autorenblick auf die Menschen hinter den zu Stiletiketten gewordenen ehemaligen Akteuren der radikalen Linken.
Im Zentrum des Geschehens steht Jeanne(Julia Hummer), ein Mädchen, das mit seinen Eltern in Portugal lebt. Schon die ersten Einstellungen des Films zeigen sie als isoliertes Kind, sehnsüchtig nach Kontakt mit Gleichaltrigen, nach der Welt um sie herum, nach Leben. Ihre Familie befindet sich jedoch auf der Flucht und es ist zunächst unklar, welche Gründe dahinter stecken. Von der Polizei entdeckt, werden sie gedrängt, nach Deutschland zurückzukehren. Nach und nach wird durch indirekte Indizien deutlich, dass es sich um ehemalige RAF Mitglieder handelt, die ihre alten Kontakte in Deutschland aufsuchen, um sich von ihnen helfen zu lassen. Doch Jeanne lässt allmählich das Kind in sich zurück und entwickelt eine eigene Persönlichkeit. Eine, die Fragen stellt, die sich ein eigenes Leben wünscht, die den hektischen Rhythmus der Familie nicht mehr annehmen will.

Viel von der Außenwelt bekommt man im Film nicht mit. Die kleine Familie um Hans (Richy Müller) ist zu sehr konzentriert auf das eigene Überleben, zu sehr verloren in das reflexive Handeln, das automatisch einsetzt beim kleinsten Zeichen von Gefahr. Das Maschinelle an ihrem Leben wird ununterbrochen im Film vorgeführt: Umzüge werden mit einer Genauigkeit geplant, die sie fast zu Banküberfälle macht, geschlafen wird der Reihe nach, weil einer immer Wache halten muss, die Kleidung wird möglichst unauffällig gehalten. So entpuppen sich während des Films die Intimität und die Nähe zu den Charakteren als Beweismittel ihrer Oberflächlichkeit, als Zeugen ihrer Involution unter dem Druck der Politik und der Geschichte. Denn mit Ausnahme von Jeanne sind sie komplett bezugslos zur Welt um sich herum oder zueinander. Notwendigerweise verstrickt in Denkstrukturen der Vergangenheit, werden sie schließlich doch zu den Etiketten, die als grafische Vorlage den Vorspann charakterisiert haben, und genau diese Transformation befindet sich im Focus von „Die innere Sicherheit“. Es herrscht ein permanenter Ausnahmezustand, und nichts Weiteres findet mehr Raum in diesen Leben.

Wie üblich für Petzold lässt sich der Film nicht durch die Dialogebene erzählen, zur Instanz in dieser Hinsicht werden vielmehr die Bilder. So wird die Stimmung in dieser Familie von Flüchtlingen, vor allem die Stimmung von Jeanne in ihrer Rolle als werdende Erwachsene, zum Erzähler. Schlüssig dabei ist, dass Jeanne noch ein Kind ist. Sie nimmt die Lebensart ihrer Eltern an und verhält sich konform, ohne sie wirklich zu verstehen. Das Wissen ihrer Eltern übernimmt sie in angepasster Form in ihrer eigenen Welt: sie weiß, dass man auf einer deutschen Schule nichts mehr lernt, „die sind total fertig“. Oder dass man schweigen muss, wenn man schwach wird, um den Anderen aus der Fassung zu bringen.

Durch Jeannes Blick wird die Sehnsucht nach einem eigenen Zuhause spürbar. Mit großer Finesse inszeniert Petzold die Erzählung über eine Villa zu einem mentalen Besuch des Mädchens in diesem Haus. Ebenso prägnant wirken auf sie die kurzen Besuche bei den alten Kameraden ihrer Eltern, die, obwohl nur flüchtige Momente ihres Lebens, wie all ihre Bekanntschaften mit anderen Menschen außerhalb der Familie sie aus der ewigen Flucht im weißen Volvo der Familie herausreißen. Sogar der Moment, in dem sie ihren Freund zum Beischlaf auffordert, ist so bedeutungsgeladen, dass die Sexualität hinter ihrem Einstieg in einem Bett, in dem jemand dauerhaft schläft, in den Hintergrund tritt.

"Die innere Sicherheit" lässt sich vielleicht am besten als eine Tunnelfahrt in einem weißen Volvo beschreiben, den Blick nur nach vorne gerichtet, ständig auf die lauernde Drohung vorbereitet, ohne Vorstellung des Ziels, ohne unnötige Gespräche, und als einzige Anweisung die Stimme der Vergangenheit hörend, wie sie rhythmisch mit „rechts“ und „links“ auf die Richtung weist.

Die DVDs von „Momenten des deutschen Films“ sind in eleganten, an Buchrücken erinnernden Digisleeves verpackt und verfügen über umfassende Booklets. Als Bonusmaterial gibt es zu jeder der DVDs Interviews mit den Kinoredakteuren der FAZ, geführt vom Filmhistoriker Hans Helmut Prinzler. Zu „Die innere Sicherheit“ beinhaltet das Booklet eine umfangreiche und tiefgehende Kritik des Films, eine sehr knappe Biographie Christian Petzolds sowie einen Artikel über die Entstehung von „Die innere Sicherheit“. In den unter den DVD-Extras zu findenden Interviews besprechen Hans Helmut Prinzler und Verena Lueken die Komplexität und Klarheit in Petzolds Filmen und stellen Interpretationsansätze, Motivik und Stil des Films vor.

Ciprian David




Regie: Christian Petzold. Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki. Kamera: Hans Fromm. Musik: Stefan Will.
Darsteller: Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Bilge Bingül, Günther Maria Halmer.
Extras: Interviews, Booklet mit Essays.
Produktion: Florian Koerner von Gustdorf, Michael Weber
Verleiher: Al!ve AG
Start: 8.2.2010


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Im Postklassischen Wunderland – Tim Burtons Reimaginationen von „Sleepy Hollow“ bis „Alice“

von Andreas Rauscher


1. Der Micky Maus-Club schlägt zurück

Zwar zählt Tim Burton zu den prominentesten Absolventen der Disney Studios, doch seine Ästhetik definiert sich meistens als deren anarchisch-dialektische Antithese. Anstelle mit versöhnlichem Zuckerguss-Kitsch überzogen falsche Kompromisse einzugehen, behält er die Widersprüchlichkeit der Gesellschaft im Auge. Die Fluchtbewegungen der Phantastik entfernen sich bei ihm nie so weit von der Realität, dass man darüber vergessen würde, aus welchen Gründen die Gegenwelten zur repressiven Tristesse des Alltags entworfen wurden. Er stilisiert sich selbst als einer jener Außenseiter, denen von Anfang an seine Sympathien galten. Nachdem er sich von der Disney Factory emanzipiert hatte, sammelte er im Lauf der Jahre ein familienähnliches Ensemble um sich. Statt in Hollywood zu bleiben, flüchtete er sich in den Londoner Nebel, durch den der Protagonist seines neo-expressionistischen Kurzfilm-Debüts „Vincent“ (1982) streifen wollte. Das von ihm neben Terry Gilliam als zweitem prominenten amerikanischer Auteur des phantastischen Films bezogene Exil in England erschien nicht nur nach der immer leicht zur Romantisierung tendierenden Logik des Autorenfilms naheliegend. Immerhin bildete der europäische Horrorfilm der 1960er Jahre einen zentralen Bezugspunkt der filmhistorischen Koordinaten seines Oeuvres.

Umso erstaunlicher erscheint es, dass der vom filmischen Expressionismus und dem surrealen Humor Federico Fellinis ebenso wie von den Illustrationen des Kinderbuchautors Dr. Seuss und den romantischen Horror-Märchen Mario Bavas beeinflusste Tim Burton für seinen neuesten Film „Alice in Wonderland“ ausgerechnet zu jenen Disney Studios zurückkehrt, deren Stil er wenige Jahre zuvor noch mit kulturindustrieller Fließbandarbeit verglich. Sein Resümee zur Arbeitserfahrung bei Disney könnte auch von dem Kulturkritiker Theodor W. Adorno stammen, der in der „Dialektik der Aufklärung“ dem Trickfilm vorwarf, er habe seinen anfänglichen Status eines „Exponenten der Phantasie gegen den Rationalismus“ (Adorno 1988, 146) zu Gunsten eines „Siegs der technologischen Vernunft über die Wahrheit“ aufgegeben. Burton verglich die Arbeit bei Disney mit einem militärischen Drill: „It was like being in the Army; I’ve never been in the Army, but the Disney programme is probably about as close as I’ll ever get […] Disney and I were a bad mix. For a year I was probably more depressed than I ever was in my life […] What’s odd about Disney is that they want you to be an artist, but at the same time they want you to be a zombie factory worker and have no personality.” (Salisbury / Burton 1995, 7-10)

1994 kehrte Burton bereits einmal zu Disney zurück, um gemeinsam mit dem Regisseur Henry Selick („Coraline“, 2009) den Stop Motion-Animationsfilm „Nightmare Before Christmas“ zu drehen, dessen Anfang der 1980er Jahre für das Studio angefertigte Entwürfe und somit auch das Copyright in den Kellern des Dornröschenschlosses schlummerten. Auf den ersten Blick erscheint die aktuelle Zusammenarbeit bei „Alice in Wonderland“ ähnlich motiviert wie die damalige Zweckgemeinschaft. 2011 will Burton ein auf Spielfilmlänge ausgedehntes Remake seines ebenfalls aus der Zeit bei Disney stammenden Kurzfilms „Frankenweenie“ (1984) drehen. Über die genaueren Konditionen tauscht man sich bei einer gepflegten Tasse Tee in der „Alice in Wonderland“-Sektion Disneyworlds aus. Immerhin wurde die berühmte Lewis Carroll-Vorlage von diesem Studio bereits in den frühen 1950er Jahren als Trickfilm adaptiert und in den späten 1960er Jahren, zumindest für College-Vorführungen, wieder aus dem Verkehr gezogen. Niemand sollte auf die Idee kommen, eine Wasserpfeife rauchende Raupe mit der damaligen Psychedelic-Kultur in Verbindung zu bringen. Heute bewirkt der gleiche Tatbestand, „smoking caterpillar“, neben der ebenfalls in der Begründung der Motion Pictures Association of America erwähnten „fantasy violence“ und den „scary images“ lediglich ein, der Freigabe ab 12 entsprechendes, PG-Rating.


2. Through Disney’s Looking Glass and what Tim Burton found there

Die Rückkehr Tim Burtons von seiner Reise durch die fremden Gefilde des internationalen Autorenkinos ins selbst ernannte Magic Kingdom passt von der Seite Disneys durchaus in die aktuelle Firmenpolitik. Nachdem die im Jahrzehnteabstand flüchtig aufblitzende Kreativität, die zeitlose Klassiker wie „The Jungle Book“, „Fantasia“, das von Carl Barks geschaffene Entenhausen der Donald Duck-Comics, die Mäusepolizei oder die Old School-Virtual Reality von „Tron“ hervorbrachte, in den letzten Jahren vergeblich auf sich warten ließ, setzte man nicht mehr auf die fordistische Fließbandarbeit, sondern begann im großen Stil einzukaufen. Sowohl der renommierte, seit zwei Jahren um ein eigenes Studio erweiterte Marvel-Verlag, der in den 2000er Jahren mit „X-Men“ (seit 2000) und „Spider-Man“ (seit 2002) eine neue Ära der ambitionierten Comicverfilmungen einleitete, als auch das mit Abstand innovativste Animationsfilmstudio Pixar, dessen digitale Trickfilme lebendiger, menschlicher und intelligenter als der Output der meisten Hollywood-Studios erscheinen, wurden von Disney erworben. Das Studio bewies in einem spektakulären Coup, dass es nicht nur die Kulturindustrie-These Adornos nach wie vor mustergültig erfüllen, sondern auch einem weiteren Klassiker der Frankfurter Old School, Herbert Marcuses Begriff der repressiven Toleranz zu neuer Aktualität verhelfen konnte.

Sowohl bei den „Simpsons“, in deren ersten Kinofilm (2007) sich Bart mit aufgesetzten Mäuseohren als „mascot of an evil corporation“ (ausnahmsweise spielt er damit trotz der treffenden Beschreibung nicht auf seinen eigenen Arbeitgeber Fox an) ausgab, als auch in den seit 2001 produzierten „Shrek“-Filmen bildeten die Disney-Studios eine willkommene Zielscheibe als Inbegriff einer jegliche Kreativität unterdrückenden Prüderie und eines rigoros verordneten Biedersinns. Die beste Taktik, das angekratzte Image zu sanieren, bestand darin, der Kritik ein domestiziertes Forum zu bieten und sich gelegentlich um Selbstironie zu bemühen. Das perfekte Sinnbild für diese Strategie findet sich in Tim Burtons „Alice in Wonderland“, wenn das an das Disney-Firmenlogo erinnernde Märchenschloss einfach in zwei Varianten präsentiert wird. Die Guten, angeführt von der seit den hauseigenen „The Princess Diaries“ (2001) plötzlich von der Prinzessin zur White Queen beförderten Anne Hathaway, erscheinen leicht verpeilt und bemüht ‚gutmenschenhaft’. Die Bösen unter der launischen Herrschaft der gewohnt brillanten Burton-Lebensgefährtin Helena Bonham Carter als Red Queen lassen zwar die Köpfe rollen, aber im Unterschied zu „Sleepy Hollow“ (1999) wird kein romantischer oder interpretatorischer Mehrwert gewonnen.

Die Minderwertigkeitskomplexe der Schurken erscheinen psychologisch nachvollziehbar, sie erreichen jedoch weder die tragische Dimension der Gegenspieler in „Batman Returns“ (1992) noch die destruktive Kreativität der anarchischen Außerirdischen aus „Mars Attacks“ (1996). Disney gönnt sich mit der White Queen eine dezent selbstparodistische Version der eigenen Aushängeschilder, die keine wirklich dialektischen Lesarten zulässt, dafür sind die Schurken einfach doch zu böse und müssen in ihre Schranken verwiesen werden. Statt die für Burton typische Offenheit fortzusetzen, die tradierte Genrekonzepte bewusst in Frage stellt, werden die anfangs angedeuteten Ambivalenzen zu Gunsten bewährter Eindeutigkeiten aufgegeben.

Die Reintegration Tim Burtons in den Disney-Betrieb bedeutet für das Studio nur marginale Veränderungen. Die Heimkehr des einst verstoßenen Individualisten passt ebenso gut zur neuen Firmenpolitik wie die tendenziell anti-autoritären Ansätze Pixars, die Beschäftigung von androgynen Piraten, die wie der Grandseigneur aller Rock’n’Roll-Enfant Terribles Keith Richards aussehen und gelegentlich sogar von diesem selbst gespielt werden, oder das bessere Verständnis für kiffende Raupen. Man sollte sich keine allzu großen Illusionen über Disneys neue Toleranz machen, denn diese ist, sobald die Ergebnisse nicht stimmen, nach wie vor repressiv: Das aus Prestigegründen während des Indiestream-Booms gehaltene Miramax-Label wurde Anfang 2010 geschlossen. Das Anliegen der ursprünglichen Betreiber Harvey und Robert Weinstein, den Namen ihres ehemaligen Vertriebs von Disney zurück zu kaufen, scheiterte daran, dass keine Einigung hinsichtlich des Preises für die wohl doch nicht ganz so wertlos erachtete Marke erzielt werden konnte.

Irritierend erscheint an dieser Situation nicht so sehr die Firmenpolitik Disneys. Diese hat sich seit jenen Tagen nicht verändert, in denen man aus Angst vor falschen Assoziationen die Zeichentrick-Version von „Alice in Wonderland“ vom Campus-Kino fernhielt, nur um nach dem kommerziellen Erfolg von Bands wie Jefferson Airplane auf einmal doch die psychedelischen Qualitäten des Films zu entdecken. Verstörend stimmt dabei, dass bei genauerer Betrachtung die Entwicklung durchaus mit einigen Tendenzen in Burtons Oeuvre innerhalb der letzten zehn Jahre korrespondiert.


3. Post-Classics Illustrated

Die Rahmenbedingungen von „Alice in Wonderland“ bilden zwanzig Jahre nach Burtons erstem Blockbuster die exakte Umkehrung zu „Batman“. 1989 überraschte der mit „Pee-Wee’s Big Adventure“ (1986) und „Beetlejuice“ (1988) bereits positiv aufgefallene Nachwuchs-Regisseur mit einer bildgewaltigen Comicverfilmung. Hinter dem millionenschweren Erfolg und dem flächendeckenden Marketing ließen sich die individuellen Obsessionen und Themen eines Auteurs der „Urban Fantasy“ erkennen. Diese Variante der Fantasy flüchtet sich nicht in testosterongeschwängerte, archaische Sword-and-Sorcery-Schlachtplatten oder pathostriefendes, klassizistisches Schicksalsgeraune, von dem nicht einmal ein talentierter Regisseur wie Peter Jackson in „The Lord of the Rings“ (2001-2003) lassen konnte. Stattdessen ermöglichen realitätsbezogene Anhaltspunkte eine gesellschaftskritische Lesart und eröffnen utopische Gegenmomente zu real existierenden Machtverhältnissen. Zu den beispielhaften Vertretern dieses zu Hybriden tendierenden Subgenres zählen auch der Regisseur Terry Gilliam oder der Schriftsteller und Drehbuchautor Neil Gaiman.

In „Batman“ gestalteten sich die Grenzen zwischen Superheld und Superschurke in ihren neurotischen Exzessen bereits fließend, um sich im Sequel „Batman Returns“ schließlich weitgehend aufzulösen. „Alice“ beraubt hingegen die Schach-Metapher Lewis Carrolls um ihre spielerische Komponente und präsentiert ein Disney-kompatibles Gefecht zwischen Gut und Böse. In den „Batman“-Filmen dekorierte Burton eine Blockbuster-Produktion so lange gezielt um, bis daraus ein postmodernes Pastiche aus individuellen stilistischen Vorlieben und angeeigneten Motiven wurde. Für „Alice in Wonderland“ schmücken sich die Disney Productions hingegen mit ihrem prominentesten Problemfall, um ihn als Innenausstatter für ein in der restlichen Architektur von ihnen konstruiertes Event-Movie zu gewinnen. „Batman“ deutete, nicht zuletzt durch Tim Burtons Vorliebe, sich auf Grund von visueller Faszination in einer Story-World zu verzetteln, einen amerikanischen Pop-Mythos subversiv um und beförderte parallel zu den Graphic Novels von Alan Moore und Frank Miller ungewöhnliche Lesarten. Das von der Disney-Veteranin Linda Woolverton verfasste Drehbuch zu „Alice in Wonderland“ zimmert einen Klassiker des absurden Humors auf „Narnia“-Maßstäbe zurecht und verleiht jeglichem Nonsens einen überdeutlich ausformulierten tieferen Sinn. Die „Batman“-Filme waren ein Musterbeispiel für die einfallsreiche Umsetzung einer innovativen filmischen Postmoderne. „Alice in Wonderland“ funktioniert hingegen wie auch schon Gore Verbinskis „Pirates of the Caribbean“-Trilogie (2003-2007) in erster Linie als postklassischer Abenteuerspielplatz, der trotz aller charmanten Doppelcodierungen und reizvollen Attraktionen nach Möglichkeit in genau jenem Zustand verlassen werden soll, in dem er vorgefunden wurde. Glücklicherweise kümmert sich Burton nicht lange um diese Anweisungen und entwirft eindrucksvolle Installationen rund um die vorgefundenen Standardsituationen. „Alice in Wonderland“ zählt trotz aller inhaltlicher Kritik zu den optischen und schauspielerischen Höhepunkten des bisherigen Kinojahres. Dennoch erscheint er weitaus musealisierter als die anderen Burton-Filme und das gerade nicht im positiven Sinne, wie es das Aufeinandertreffen von Theme Park und bildender Kunst in der Burton-Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art nahe legen würde, sondern als klassizistisches Wachsfigurenkabinett.

Die Filmtheoretiker Thomas Elsaesser und Warren Buckland weisen in ihren Untersuchungen zum postklassischen Kino darauf hin, dass sich dieses weniger durch einen Bruch mit den klassischen Formen sondern häufig sogar durch einen exzessiven Klassizismus auszeichne (Elsaesser / Buckland 2002, 61). Bis Ende der 1990er Jahre bestand die wesentliche Stärke von Tim Burton genau darin, die Spielregeln des Klassizismus so offensichtlich auszustellen, dass er sich in subversiven Camp mit berührenden melancholischen Untertönen verwandelte. Ganz im Sinne des postklassischen Kinos als einem selbstbewussten Spiel mit dem Wissen um die eigenen Genreformen und Repräsentationsmechanismen (vgl. Thanouli 2009, 24) ermöglichen die Filme Burtons durch ihren visuellen Einfallsreichtum und die beiläufige Erfüllung narrativer Hollywood-Konventionen eine Vielzahl an Auslegungen. Wie David Lynch und Quentin Tarantino schlägt Burton eine Brücke zwischen den ästhetisch verwandten, inhaltlich jedoch, wie Jens Eder in dem Band „Oberflächenrausch“ (vgl. Eder 2008, 33) anschaulich erläutert, konträren Strömungen des postklassischen Mainstreams und des postmodernen Autorenfilms. Seine Comicverfilmungen bieten persönliche Interpretationen bekannter Pop-Mythen und lassen sich, zumindest im Fall des ersten „Batman“, dennoch international als Blockbuster vermarkten. „Edward Scissorhands“ gestaltet sich als postmodernes Kunstmärchen und funktioniert dennoch als gegenwartsbezogener Märchenfilm, in dem in einer Umkehrung der Disney-Polaritäten das verwunschene Schloss Geborgenheit bietet und die kleinbürgerliche Vorstadt sich als wahrer Ort des Grauens erweist. Das Biopic „Ed Wood“ (1995) über den angeblich „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ glänzt mit intertextuellen Anspielungen sowie filmhistorischen und formalen Querverweisen, entwirft dabei aber zugleich eine eigene Auslegung des traditionellen Auteur-Begriffs, wenn Ed Wood sich in einem nicht historisch, aber emotional vollkommen akkuraten Treffen mit Orson Welles austauscht.


4. The Joy in Repetition / Reimagination


Neoklassisches World-Building wie in Peter Jacksons „King Kong“ (2005) oder James Camerons „Avatar“ (2009), dessen bezugsfertige Architektur die Bruchstellen des zusammengefügten Patchworks verschwinden lassen will, war bei Tim Burton lange Zeit nicht vorstellbar. Es schlich sich in seine Filme durch die Hintertür ein, die sonst schauerromantischen Nachtgestalten aller Art vorbehalten war. Zwar befindet sich Burton in „Alice in Wonderland“ noch denkbar weit davon entfernt, sich auf die Starrheit eines illustrierten Klassikers, wie sie einige der „Harry Potter“-Filme bieten, einzulassen. Er hat inzwischen jedoch seine eigene Form der postklassischen Illustration geschaffen, die im Idealfall eine bekannte Vorlage umdeutet, unter weniger glücklichen Umständen diese wie in einem Theme Park-Ride lediglich mit originellen Bildern versieht. Erstere Variante findet sich in „Sleepy Hollow“ (1999), letztere bestimmt die Reimagination des „Planet of the Apes“ (2001). Beide Filme bilden Vertreter des postklassischen Kinos, bis zu einem gewissen Grad beziehen sie postmoderne Brüche und selbstreferentielle Ansätze ein, folgen insgesamt aber einer klassischen Dramaturgie. Der Held muss sich in einer außergewöhnlichen Situation bewähren und seine bisherigen Grenzen auf der Reise durch eine fremde, geheimnisvolle Welt überschreiten.

„Sleepy Hollow“ kombiniert gekonnt die Ästhetik der auf symbolische Landschaftsmalerei und Lichteffekte spezialisierten Hudson River School des 19. Jahrhundert mit dem artifiziellen Charme der Hammer-Horrorfilme und der Arbeiten Mario Bavas aus dem europäischen Genrekino der 1960er Jahre. Burton drehte den Film in seiner späteren Wahlheimat England und inszenierte die realen Außenaufnahmen wie Studiokulissen. Dadurch verknüpft er nicht nur die Verfilmung einer berühmten literarischen Vorlage mit der von dieser geprägten Geschichte des Horrorfilms. Er kehrt als direkten Gegenentwurf zu einer der Werktreue verpflichteten Tradition der Qualität die Sympathieverteilung der Geschichte von Washington Irving um. Den ebenso leichtgläubigen wie maßlos arroganten Ichabod Crane macht Burton zu einer potentiellen Identifikationsfigur, deren rationales Weltbild durch die Begegnung mit einem kopflosen Reiter erschüttert wird. Während in der gleichnamigen Kurzgeschichte dessen nächtlicher Angriff als lustiger Streich auf Kosten des abergläubischen Crane entlarvt wird, erweist sich in Burtons Film die vermeintliche Schauermär überraschend als wahr. Dem bildverliebten Credo „Seeing is believing“ setzt Burton ein abgeklärtes „Truth is not always appearance“ entgegen. Die malerische Fassade der klassischen Literaturadaption gestaltet sich als doppelbödiges Spiel. Die Handlung der Vorlage wird aufgegriffen, nur um nach ihrem ursprünglichen Ende eine andere Wendung zu nehmen. Die Gruselfarce verwandelt sich in ein schauerromantisches Märchen und im letzten Drittel sogar in eine Kriminalgeschichte, die wiederum von den Spielregeln des Horrorfilms heimgesucht wird. Der Übergang zwischen den verschiedenen Genreelementen erscheint durch das visuell stimmige Konzept des Films und die schauspielerischen Leistungen von Johnny Depp und Christina Ricci stilistisch nahtlos. Michelle Le Blanc und Colin Odell halten in ihrer Einführung treffend fest: „The key to Burton’s approach with his film projects lies in the way he takes an established genre and twists it.” (Le Blanc / Odell 2001, 9). Eine vergleichbare Strategie findet sich in dem auf einem osteuropäischen Märchen basierenden Stop Motion-Animationsfilm “The Corpse Bride” (2005), in dem das Reich der Toten weitaus einladender und farbenfroher als die triste Welt der Lebenden erscheint. Die Handlung nimmt eine klassische Auflösung, die ästhetischen Zuordnungen des traditionellen Hollywood-Animationsfilms werden jedoch systematisch auf den Kopf gestellt.

Leider vergaß Burton in der für 20th Century Fox realisierten Neuverfilmung des dystopischen Science-Fiction-Klassikers „Planet of the Apes“ (2001) trotz eines Plot Twists am Schluss des Films ähnlich einfallsreiche Wendungen in den restlichen Film einzubauen. Der Film entwirft bildverliebt eine detailreich ausgestaltete imaginäre Welt und skizziert als Reimagination eine interessante Alternative zu gängigen Remake- (und inzwischen auch Reboot-) Konzepten. Burton löst sich von der Handlung der ersten Verfilmung von Franklin J. Schaffner und deren Fortsetzungen (1968-1975). Wie in „Alice in Wonderland“ finden sich die stärksten Momente des Films in der Erarbeitung neuer Blickwinkel auf vertraute Szenen, wie etwa in der dynamischen Begrenzung des Sichtfeldes beim ersten Auftritt der Affenkommandos, die einen gezielten Kontrast zu den weitläufige Totalen des Original bildet. Burton reimaginiert eindrucksvoll die Bildwelten der Vorlage, für eine durchgehend fesselnde Neuauslegung des Stoffes erschöpft sich der Film jedoch zu sehr in der tradierten Struktur eines konventionellen Hollywood-Spektakels. Die postklassischen Illustrationen zum auf einen neuen Anstrich wartenden Klassiker erwiesen sich als kommerzieller Misserfolg. Burton wandte sich daraufhin folgerichtig einem kleineren, autobiographischen Projekt zu.


5. Die Notwendigkeit des unzuverlässigen Erzählens – „Big Fish“

Der nach einer Romanvorlage des Schriftstellers Daniel Wallace und einem Drehbuch des neuen Burton-Regulars John August entstandene „Big Fish“ (2003) gestaltet sich als eine der persönlichsten Arbeiten Tim Burtons, der darin den Tod seines Vaters verarbeitete. Der Protagonist des Films hat sich, genau wie der Regisseur selbst, aus der erdrückenden amerikanischen Vorstadt nach Europa abgesetzt. Als ihn und seine Frau die Nachricht erreicht, dass sein schwer kranker Vater Edward (Albert Finney in einer fulminanten Altersrolle) im Sterben liegt, begeben sie sich auf einen Familienbesuch in die amerikanische Provinz nach Alabama, der zugleich zu einer Reise in eine unzuverlässig erzählte Vergangenheit wird. Denn im Unterschied zu klassischen Generationskonflikten hat sich die Rollenverteilung in „Big Fish“ umgekehrt. Der fabulierfreudige Vater erzählt ständig abenteuerliche Geschichten, die wiederum sein Sohn als Erzähler des Films aufgreift und die er am Ende selbst weiterführen muss. Sein Charakter, dessen schillernde Abenteuer mit Riesen, Werwölfen und siamesischen Zwillingen in Rückblenden mit Ewan McGregor in der Rolle des jungen Edward ausgestaltet werden, entspricht weitaus stärker einer typischen Burton-Figur als der zugeknöpfte und etwas spießige Sohn.

Während andere Regisseure sich hinsichtlich des Schauplatzes, des Ensembles und der Thematik sicher in die Gefahrenzone des Norman Rockwell-inspirierten Kleinstadt-Kitsches begeben würden, vermeidet Burton durch die leicht zurückgenommenen, aber durchgehend präsenten Märchenelemente jegliche reaktionäre Verklärung. „Big Fish“ greift eine ganz klassische Geschichte auf, präsentiert diese aber gefiltert durch das Bewusstsein für Genrecodes und die offeneren Erzählstrukturen des postklassischen phantastischen Films. Das unzuverlässige Erzählen erschöpft sich bei Burton weder im kniffligen Rätselspiel, was der Protagonist wann tatsächlich getan hat, noch in der funktionellen Charakterisierung des alten Vaters als suburbanem Paradiesvogel. Vielmehr bietet es eine mögliche Annäherung an das einst verhasste Suburbia, um auf der Grundlage der Phantastik für die Zukunft ein gegenseitiges Verständnis, das in „Edward Scissorhands“ noch gänzlich utopisch erschien, zu befördern. Zwischendurch gönnen sich Burton und das eingespielte Ensemble um ihn amüsante episodenhafte Ausflüge in die Genrebereiche des Horror-, des Spionage- und des Fantasy-Films. Wie in den Filmen von Terry Gilliam und Guillermo Del Toro erscheint der Umgang mit dem Phantastischen bei Tim Burton durch die Rückkopplung an die Realität erwachsener, ohne deswegen den Spaß an ausgefallenen Charakteren und faszinierenden Gegenwelten zu verlieren. In den Filmen dieser drei Regisseure wird fast immer deutlich gemacht, welche persönliche und gesellschaftliche Motivation für die Flucht durch den Spiegel, ins Kaninchenloch oder in das Dickicht des direkt um die Ecke von Suburbia liegenden Märchenwalds, in dessen Zentrum sich das geisterhafte Phantombild zur Vorstadtidylle findet, führt. „Big Fish“ erscheint wie die konsequente Zusammenführung der seit „Edward Scissorhands“ dominanten Burtonschen Themen mit der verschrobenen Idylle von David Lynchs „Straight Story“ (1999). Die folgenden Spielfilm-Arbeiten gestalteten sich zwar durchgehend überzeugend, aber weniger risikofreudig. Burton kultivierte die selbst geschaffene, postklassische Nische mit Adaptionen genau jener Stoffe, denen er einen eigenen, mittlerweile vorhersehbaren Twist verleihen konnte.


6. Adaptionen zwischen Schokoladenfabrik und Friseursalon

Zum Start von „Sweeney Todd“ Ende 2007 verkündeten die Cahiers du Cinema begeistert, dass einer ihrer favorisierten Auteurs endlich mit einem beachtlichen Knalleffekt auf sein vertrautes Metier zurückgekehrt sei. Dabei hatte Tim Burton sein Areal wirklich nie verlassen, sondern es lediglich in unterschiedlichen Formen arrangiert. Wie in der Roald Dahl-Verfilmung „Charlie and the Chocolate Factory“ (2005) geht es in seinen neueren Filmen in erster Linie um die Geschmacksvarianten und Verfeinerungen des Auteur-Gourmets. Im Gegensatz zu „Big Fish“ begibt er sich aber nicht wirklich auf riskantes Terrain, sondern pflegt die von Publikum und Kritik geschätzten Idiosynkrasien.

Wie Jean-Luc Godard in seinem Spätwerk immer wieder Videoarbeiten rund um den Genfer See dreht und Claude Chabrol seit Jahrzehnten die kriminellen Abgründe der Bourgeoisie erkundet, so widmet sich das aus Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Soundtrack-Komponist Danny Elfman und einer ganzen Reihe von assoziierten Mitgliedern wie Christopher Lee und Michael Gough bestehende Tim Burton-Ensemble regelmäßig wie ein auf Pop Art-Grand Guignol spezialisiertes Schauspielhaus der Aufführung entsprechender Vorlagen.

Die familienfreundliche Matineevorstellung präsentiert die Abenteuer von Charlie, einem Kind aus armen Verhältnissen, der in „Charlie and the Chocolate Factory“ ein goldenes Ticket für den Besuch in der Schokoladenfabrik des geheimnisvollen Sonderlings Willy Wonka gewinnt. Johnny Depp spielt den Citizen Kane der Schokoladenindustrie als stets leicht neben sich stehenden Exzentriker. In seinem dunkelroten Dandy-Outfit erscheint er nicht wie Gene Wilder in der ersten Verfilmung des populären Kinderbuchs aus den 1970er Jahren als verschmitzter Entertainer, sondern tritt als skurrile und schadenfrohe Mischung aus Michael Jackson und Freddy Krueger in Aktion.

Die Abendvorstellung an der Grenze zum Midnight Movie belegt hingegen „Sweeney Todd“. Das 2007 nach einem Musical von Stephen Sondheim entstandene Schauerstück verbindet die urbane Londoner Legende des dämonischen Friseurs von der Fleet Street mit vergnüglichen Gesangseinlagen. In ihrem artifiziellen Charme ergänzen sich die Welten des Musicals und des europäischen Sixties-Horrorfilms. Das Blut spritzt tiefrot wie in den Filmen von Mario Bava, die Kehlen werden mit präzisem, rhythmischen Timing zum parallel montierten Liebeslied des in die zweite Reihe der Protagonisten beförderten jugendlichen Helden durch- und gegengeschnitten und die bürgerlichen Opfer des Friseurs landen wie in den Midnight-Burlesken der 1970er Jahre in der Pastete. Die Rückblenden und Traumvisionen heben sich wie in „Sleepy Hollow“ durch den Einsatz greller, betont künstlicher Farben vom tristen Grau des bühnenartigen Londons ab. Doch im Vergleich zu den früheren Burton-Filmen wirken weder das Erscheinungsbild der als Außenseiter stilisierten Figuren noch die Akzentverschiebung unter den Handlungsträgern vom idealistischen Pärchen der Bühnenversion hin zu den kaputten, natürlich von Johnny Depp und Helena Bonham Carter gespielten Freaks oder die Tatsache, dass die wenigsten der Schauspieler singen können, besonders revolutionär. Vielmehr gehören die postklassischen Brüche zu ebenso sympathischen wie sicher zu erwartenden Inszenierungsmerkmalen des Regisseurs. Die Vorstellungen im kleinen Grand Guignol-Theater in der europäischen Filiale Hollywoods liefen mit anderen Worten so gut, dass die Späher des Magic Kingdoms der Disney Productions wieder Interesse an dem ehemaligen Dissidenten bekamen.


7. Die Phantome des Hutmachers

Der von Disney als Event-Movie produzierte und mit einem spektakulären, Tim Burton durchaus zu gönnenden Erfolg am Startwochenende angelaufene „Alice in Wonderland“ vollführt eine weitere Reimagination, dieses Mal eines Stoffes, der sowohl für Tim Burton als auch für Terry Gilliam grundlegend prägend war. Doch wie bereits eingangs erwähnt bildet „Alice in Wonderland“ die genau Umkehrung zu den „Batman“-Filmen: Es geht nicht darum, dass ein Auteur subversive Inhalte in ein standardisiertes Hollywood-Format schmuggelt, sondern sein Prestige soll davon ablenken, dass im Unterschied zu der experimentierfreudigen Batman-Alice-Variante „Arkham Asylum“ von Grant Morrison oder dem Videospiel von American McGee lediglich weit geöffnete Türen eingerannt werden. Burton hat mit seiner Geschichte über die Rückkehr der an der Schwelle zum Erwachsensein stehenden Alice in die Phantasiewelt ihrer Kindheit an jener Stelle künstlerischen und kommerziellen Erfolg, an der Steven Spielbergs Peter Pan-Hommage „Hook“ 1991 kläglich scheiterte. Aber diese Leistung sollte nicht überbewertet werden, denn Robin Williams Betroffenheitsclownerei zählt zu den extremsten Tiefpunkten in Spielbergs gesamter Laufbahn.

Johnny Depp tritt erneut als Burton-Alter Ego in Aktion. Auch wenn es in „Alice in Wonderland“ wahrscheinlich gar nicht so direkt beabsichtigt war, erinnert die Situation des zu seinem alten Arbeitgeber Disney zurückgekehrten Tim Burton an den in Fesseln gelegten Verrückten Hutmacher am Hof der launischen Red Queen. Helena Bonham Carter wäre als diese unter anderen Bedingungen wahrscheinlich wie die Batman-Schurken eine Empathie auslösende Gegenspielerin und nicht einfach nur die schauspielerisch hervorragend umgesetzte, aber dramaturgisch kaum entwickelte Update-Version der bösen Stiefschwestern aus den klassischen Disney-Filmen. Mia Wasikowska hätte als Alice das Potential zu einer typischen Burton-Heldin. Zumindest legen diesen Eindruck die gelungenen ersten zwei Drittel des Films nahe.

Die Rückkehr ins Wunderland wird mit der Suche nach der verlorenen Kindheit verknüpft. Doch bevor diese Perspektive weiter vertieft werden kann, schlägt der kulturindustrielle Kasernenhofton Disneys wieder durch und befördert das gesamte Ensemble auf ein überdimensionales Schachbrett. Die Referenz an den zweiten Alice-Band „Through the Looking Glass“ hätte die Grundlage für eine wunderbar absurde und skurrile Kombination aus narrativen und ludischen Elementen abgeben können. Doch trotz eines Gastauftritts von Christopher Lee als Stimme des Ungeheuers Jabberwocky aus dem gleichnamigen Lewis Carroll-Gedicht beschränkt sich der Showdown auf eine phantasielose Schlacht in der Tradition der „Narnia“-Filme, die als reaktionäre Fantasy im unmittelbaren Gegensatz zur um Ambivalenzen und progressive Umcodierungen bemühten „Urban Fantasy“ stehen. Der Epilog bemüht sich scheinbar um einen emanzipatorischen Ansatz. Alice weist den zudringlichen Prinz Flatulenzproblem, mit dem sie vermählt werden sollte, zurück und steigt stattdessen in die Firma ihres verstorbenen Vaters ein, um eine Handelsreise nach Asien anzutreten. Sehr wahrscheinlich stammt dieses Ende nicht vom Burton-Ensemble, sondern aus der Feder der routinierten Drehbuchautorin Linda Woolverton. Mit ihren Skripts zu den Erfolgsfilmen „The Lion King“, „Mulan“ und „Beauty and the Beast“ konnte sie sich bereits ihren Premium-Platz im Micky Maus-Club sichern, in dem man Tim Burton nach wie vor nur den Grinsekatzen-Tisch überlässt.

Die spannende Ausgangidee, dass Alice als junge Erwachsene mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird, gerät im Verlauf des Films in den Hintergrund. Weder wird deutlich, weshalb die Bewohner Wonder-Underlands verzweifelt nach ihr suchten, noch kommt ihrem früheren Besuch als Kind eine dramaturgische Bedeutung zu. Mia Wasikowska bildet eine Bereicherung der Burton-Clique, doch leider schießt jedes Mal, sobald sie beginnt ein eigenes Profil herauszubilden, das Drehbuch quer und versucht sie wieder in die Parade der Disney-Helden einzugliedern. Im Magic Kingdom gibt es leider nur eine geduldete Dissidenten-Rolle, und diese ist bis in alle Ewigkeit Donald Duck vorbehalten. Am Ende steht eine Alice, die zwar ihre anfängliche Passivität hinter sich gelassen hat, deren neu gewonnene Ziele sich aber problemlos mit den Prinzipien des Neoliberalismus ergänzen. Mit Engagement in Sachen Gender-Issues hat diese Auslegung nicht mehr viel zu tun, vielmehr mit einer Aktualisierung der klassischen Disney-Prinzessinen. Es ist zwar durchaus verdienstvoll, dass diese durch den Einsatz von Linda Woolverton und anderen inzwischen kein Korsett mehr tragen müssen, die Etiketten des viktorianischen Zeitalters hinter sich lassen und erste Schritte in Richtung 20. Jahrhundert unternehmen dürfen. Statt sich tatsächlich um ausdifferenzierte Heldinnen zu bemühen, richten die Disney Studios aber lieber den Blick zurück auf die musealisierten Konflikte der von ihnen gerne heraufbeschworenen guten alten Zeit, in der es bereits als aufrührerisch galt, wenn man der alleinstehenden, schrulligen alten Tante sagt, dass es sich bei ihrem vergeblich erwarteten Märchenprinzen lediglich um einen imaginären Freund handelt.

Tim Burton und sein Ensemble, inklusive der ihrer „Princess Diaries“-Rolle durch eine Reihe ambitionierter Independent-Filme wie „Havoc“ (2005) längst entkommenen Anne Hathaway, waren in Filmen wie „Batman Returns“, „Mars Attacks“ und „The Corpse Bride“ schon einmal weiter. Sobald das für nächstes Jahr angekündigte Remake des Debüt-Kurzfilms „Frankenweenie“ (1984), dessen Rechte immer noch bei Disney liegen, abgeschlossen ist, sollten sie schleunigst die Flucht zurück in den Londoner Nebel ergreifen, und wenn nicht dorthin dann zumindest wieder ins benachbarte Warner Studio. Der ausdauerndste aller Majors des Classical Hollywood hatte nicht nur mit anarchischen Trickfilmen um Bugs Bunny und Co. schon immer das traditionelle Gegengift zum Disney-Kitsch produziert. Warner finanzierte mit „Pee-Wee’s Big Adventure“, den beiden ersten „Batman“-Teilen und „Mars Attacks“ jene innovativen und subversiven Spektakel, in denen Tim Burton mit voller Unterstützung Hollywoods dessen Inneneinrichtung während einer wüsten Verfolgungsjagd per Fahrrad demolierte, den Weg für die gebrochenen Helden-Neurotiker des neueren Comicfilms bereitete und das Mobilmachungspathos des „Independence Day“ (1996) zurück auf den Schrotthaufen der Filmgeschichte beförderte. Trotz aller charmanten Einfälle, die das Burton-Ensemble in den Reimaginationen bekannter Klassiker an den Tag legt, sie laufen langsam Gefahr zur von Disney geduldeten Mad Tea Party unter dem Protektorat von Johnny Depps Jack Sparrow zu werden. Die Burton-Filme der letzten zehn Jahre bilden eine visuell opulente und erzählerisch produktive Phase seiner Filmographie, jetzt wäre es aber an der Zeit, die anarchische Spielfreude der frühen Filme aus einer anderen Perspektive neu zu entdecken, bevor er ganz zum postklassischen Illustrator von Mickeys Gnaden wird.


Literatur:
Theodor W. Adorno / Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt am Main 1988.

David Butler: Fantasy Cinema. Impossible Worlds on Screen. London 2009.

Jens Eder (Hg.): Oberflächenrausch. Postmoderne und Postklassik im Kino der 90er Jahre. 2. Auflage. Hamburg 2008.

Kristian Fraga: Tim Burton – Interviews. Jackson (Mississippi) 2005.

Colin Odell / Michelle Le Blanc: Pocket Essentials – Tim Burton. Harpenden 2001.

Mark Salisbury: Burton on Burton. London 1995.

Eleftheria Thanouli: Post-Classical Cinema. An International Poetics of Film Narration. London, New York 2009.

Mit links!


Überlegungen zu den 82 Academy Awards


Hmm… Hat Michael Moore (ja, Michael Moore!) Recht? In einer Rundmail vom gestrigen Oscar-Sonntag erregte er sich nach seiner Art über diejenigen, die THE HURT LOCKER einen „ausgewogenen“ Film nennen. Nicht, weil der Film böse tendenziös ist, sondern weil er den Irr- und Wahnsinn des Irak-Krieges deutlich zeige (also gut tendenziös ist) - kein Film, der für eine Verlängerung des Militäreinsatzes am Golf plädiert. Auch Camerons AVATAR dürfte den konservativen Patrioten, so Moore, wenig schmecken, als Anspielung auf den US-amerikanischen Imperialismus und Kolonialismus.

So gesehen bekommen die 82. Academy Awards einen ganz neuen Dreh: Ein politisches Statement der Linken und „liberals“. Denn was Michael Moore gestern natürlich noch nicht wusste: THE HURT LOCKER hat abgesahnt; u.a. bestes Drehbuch, beste Regie – und bester Film 2010. Fein, die „edlen Wilden“ in Blau (und 3D) gingen relativ leer aus. Aber wie sieht es mit den anderen Preisen aus?



Beste Nebendarstellerin und bestes adaptiertes Drehbuch:
PRECIOUS: BASED ON THE NOVEL PUSH BY SAPPHIRE, die Geschichte einer jungen schwarzen Analphabetin im Getto, schwanger durch Inzest, keine Chance, gewalttätige Mutter, ein Statur wie Michael Moore – keine Chance. Das Schulsystem ist marode und bietet doch etwas Halt. Klingt also auch nicht nach einem Plädoyer gegen das Kürzen von öffentlichen Ausgaben und dem kernigen Jeder-kann’s-schaffen-wenn-er-will der Republikaner.



Diese kriegen stattdessen mit dem besten Hauptdarsteller eine Ikone kaputt gemacht. Nach den schwulen Cowboys vom BROKEBACK MOUNTAIN triumphiert jetzt ein besoffener, abgehalfterter Country-Sänger mit Stetson, famos gespielt von einem alt gewordenen Jeff Bridges. „Der Hippie hat verloren, Mr. Lebowski?“ Wohl kaum! Wenn der Dude jetzt noch in THE MEN WHO STARE AT GOATS eine psychodelische Sondereinheit der Armee aufbauen darf, wird es noch enger für die harten Kerle…

Aber, aber was ist denn… - Richtig! Christoph Waltz! Der fulminante Nazi in Quentin Tarantinos INGLORIOUS BASTERDS zeigt, dass und wie die alten Weltkriegsschurken – auch und gerade die des Kinos – diebischen Spaß auf der Leinwand machen dürfen und sich auch mal dem harten braven alliierten Killerkommando davonspielen.

Wo es dann so richtig um Zucht und Ordnung geht, rechte Erziehung, Zusammenhalt und, nun ja, kindliche Eigeninitiative, da geht man leer aus: Statt DAS WEISSE BAND in gutem alten Schwarzweiß gewinnt .... irgendwas aus Peru oder so. (Wo ist bloß die 1970er CIA mit ihren kleinen geheimen Interventionen in Südamerika nur geblieben?)



Schön, immerhin darf mit Sandra Bullock als beste Darstellerin (freilich: auch eine Deutsche, so ein bisschen!) der gute alte amerikanische Traum geträumt werden. THE BLIND SIDE zeigt, dass du auch als obdachloser Niemand ein Footballstar werden kannst, juhu, so mit an sich glauben und so! Was irgendwie auch für Bullock mit ihren fürchterlich rot geschmickten Lippen galt, tags zuvor hat sie noch die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin 2009 entgegen genommen (freilich wegen ihrem Spiel in einem ganz anderen Film).

Aber allzu subversiv darf die Oscar-Show ja auch nicht geraten, und wer weiß, vielleicht wird des nächstes Jahr wieder besser. Vielleicht erhält dann TRANSFORMERS 3 alle Preise bis hin zum besten Catering, die Roboterautos kommen dann nicht aus dem All, sondern vom General-Motors-Fließband aus Michigan (extra für Michael Moore), und im Irak machen sie mit den bis nach der Hochzeit wartenden TWILLIGHT-Vampiren den Windelschädeln da drüben klar, wo der Hammer hängt, nur für George W. Bush und in 3D.


Bernd Zywietz

Screenshot REGION: "Advent" und "Lebenslauf"


Der Kurzdokufilm DOLCE VITA der Mainzer "Nachtschwärmer" Michael Schwarz und Alexander Griesser ist weiter auf Erfolgskurs: Nachdem Cutter Michèl Hamman für den Förderpreis Schnitt nominiert wurde tritt der Film nun im Wettbewerbsprogramm des internationalen 5th University Film Festivals "Unifest" in Madrid (14. bis 17. April, Infos HIER) gegen rund 20 Produktionen aus 12 Ländern an.



Doch Nachtschwärmer Film legt schon nach: Der Kurzfilmdoku ADVENT wird im Dokumentarfilmwettbewerb des goEast Festivals des Mittel- und Osteuropäischen Films in der Wiesbadener Caligari Filmbühne am 22. April Premiere haben.



Erfolg auch für die Videoinstallation "Lebenslauf" über den Marathonsammler Horst Preisler. Nachdem das Projekt u.a. bereits auf der Marathonmesse "marathonmall" zu sehen gewesen ist, ist es jetzt für die kuratierte Sonderausstellung "Junge Talente" der größten rheinland-pfälzischen Kunstmesse "Kunst direkt" in Mainz ausgewählt worden (Rheingoldhalle, 12.-14. März).


zyw

Oscar 2010: BESTER FILM ...

... ist nicht AVATAR sondern: THE HURT LOCKER / TÖDLICHES KOMMANDO von Kathryn Bigelow! Superschnell verkündete Tom Hanks die Botschaft am Ende und Höhepunkt der Gala. Zudem gab es für THE HURT LOCKER den Preis für das beste Original-Drehbuch und den besten Schnitt, besten Ton und besten Tonschnitt.

Bigelow setzte sich auch gegen ihren Ex-Mann James "AVATAR" Cameron in Sachen beste Regie durch. Ein großes Zeichen, nicht nur, weil eine Frau prämiert wurde, sondern weil hier das breitere "Independet"-Kino ausgezeichnet wurde. Damit kann man den "Das weiße Band"-Verlust in Sachen bester ausländischer Film gerne verschmerzen. Die Auszeichnung erhielt der argentinische Film EL SECRETO DE SUS OJOS (Das Geheimnis in ihren Augen) von Regisseur Juan José Campanella.

Immerhin bekam AVATAR den Goldjungen für die beste Kamera.

Jeff Bridges wurde als bester Darsteller für seine Rolle in CRAZY HEART prämiert, beste Darstellerin Sandra Bullock in THE BLIND SIDE.

Bester Nebendarsteller wurde wie zu erwarten Christoph Waltz (INGLORIOUS BASTERDS), beste Nebendarstellerin Mo’Nique (PRECIOUS). Die Academy prämierte PRECIOUS' Skript als bestes adaptiertes Drehbuch.

Zum dritten Mal in Folge durfte sich das Pixar-Studio mit UP / OBEN über den Preis für den besten Animationsfilm freuen.

Screenshot-Oscar-Team tippt!




Best Picture: Avatar / The Hurt Locker (Screenshot-Split-Vote)
Actress: Bullock (Mirren)
Actor: Bridges
Supporting Actor: Waltz
Supporting Actress: Mo'Nique (Gyllenhall)
Director: Bigelow (wir sind mal mutig, wir verwegenen Wilden)
Writing, original: Basterds (Messenger)
Writing, adapted: Up In The Air (An Education)
Cinematography: The Hurt Locker (Avatar)
Editing: The Hurt Locker (District 9)
Art Direction: Avatar (Parnassus)
Costume: Wir wissen's doch auch nicht
Make Up: Victoria / Star Trek
Score: Up (Avatar)
Song: Crazy Heart (The Princess and the Frog)
Visual Effects (Avatar (District 9)
Animation: Coraline (Up)
Foreign: Weisse Band (Un prohét)
Documentary: Food Inc.

Vier Leute haben getippt - der Gewinner wird gegen 6 Uhr glorreich gefeiert.

Die 30. "Goldenen Himbeeren"


Kurz vor der 82. Oscar-Verleihung sind nun die „Gewinner“ der Goldenen Himbeere bekannt gegeben worden. 1980 begründet werden mit diesen Anti-Academy-Awards zum 30. Mal die negativen Leistungen Hollywood ausgezeichnet.

Großer Razzie-Abräumer 2010 ist – oh Wunder! –Michael Bay mit seiner Spielzeugfortsetzung Film TRANSFORMERS – RISE OF THE FALLEN nicht nur den schlechtesten Film 2009 abliefert, sondern auch die mieseste Regie und das übelste Drehbuch bot.

Die Himbeere für den schlechtesten Darsteller ging zu gleichen Teilen an die drei Jonas Brothers in ihrem Film JONAS BROTHERS: THE 3-D CONCERT EXPERIENCE.

Als schlechteste Darstellerin wurde Sandra Bullock in ALL ABOUT STEVE prämiert, wobei sie sich zusammen mit Bradley Cooper im selben Film als „Worst Screen Couple“ qualifiziert hat. Allerdings ist Sandra Bullock zugleich für den Oscar als beste Darstellerin nominiert, für THE BLIND SIDE – was eben nur einmal mehr zeigt, dass Filme und Schauspieler sich wohl gegenseitig runterziehen können…

Und, Respekt: Bullock nahm die Trophäe heute auch im Barnsdall Theatre persönlich entgegen. „I'll show up again next year if you promise to watch the movie and really consider if it was the worst performance of the year." Klingt nach fairer Verteidigung eigener Leistung, aber auch – was das Wiederkommen betrifft – nach unguter Karriereplanung …

Schlechtes Nebendarstellerin 2009 war laut Razzie-Abstimmung übrigens Sienna Miller in G.I. JOE: RISE OF THE COBRA. Ein Ergebnis, das wiederum die Haltlosigkeit solcher Anti-Oscar-Voten bestätigt; schließlich dürfte es da draußen genügend andere schlechte Nebendarstellerinnenleistungen geben (siehe Angela Merkel), deren Künstlerinnen dann noch nicht mal so schön formbetonte Lacklederanzüge tragen können (siehe Angela Merkel!).

Egal, schlechtester „Supporting Actor“: Billy Ray Cyrus im Film über, von, zu seiner Tochter Miley: HANNA MONTANA: THE MOVIE.

LAND OF THE LOST erhielt die Kombinationshimbeere als miesestes Prequel, Remake, Ripp-off oder Sequel.

Der Spezialpreis für den schlechtesten Film des Jahrzehnts ging an BATTLEFIELD EARTH, der schon 8 Razzies erhielt, darunter den des schlechtesten Dramas der ersten 25 Razzie-Jahre.

Schlechtester Darsteller der letzten zehn Jahre: Eddie Murphy. Achselzuck.

Auch nur mäßig witzig mittlerweile: Paris Hilton als schlimmste Darstellerin der 2000er.

Schauen wir, was der echte Oscar bringt.

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