Grindhouse Double Feature, 28. Februar 2026, Cinema Quadrat Mannheim:
„Invasion U.S.A“, USA 1985, Regie: Joseph Zito
„Der schwarze Tiger“ / „Ninja: Silent Assassin“ / „Black Ninja“ / „Knight & Warrior“, Hongkong 1987, Regie: Godfrey Ho
Jetzt ist Chuck Norris gestorben, heißt es. Naja, vielleicht ist er auch einfach hinter dem Sensenmann her. Sicher ist, dass dieser Stahltitan Ende März erstmals der Grindhouse-Leinwand einen Besuch abgestattet hat, um Amerika zu retten.
Chuck Norris als Matt Hunter weiß zwar nicht, was vor sich
geht, aber er kämpft dagegen an. Und das ist ja das Tolle an ihm: Er weiß
immer, was passieren wird, und er weiß, dass ihm nichts passieren wird.
James Bond zum Beispiel weiß auch, dass ihm nichts passieren wird, und wir, das Publikum, wir sind uns sicher, dass er wiederkehren wird – denn auch wenn ihm etwas passiert: die Figur lebt ewig, auch wenn sie andere Gestalt annimmt. Bond ist ein Archetyp, der immer wieder neu aufersteht, eine immerwährende Instanz, bei der lediglich die Zuschauer diskutieren können, welche Reinkarnation denn nun „besser“ ist, was auch immer das heißen möchte. Bei Chuck Norris ist es ähnlich, aber noch reduzierter, noch einfacher: Er sieht immer gleich aus, schon immer, er wird gleich aussehen bis ans Ende unser aller Tage, und er guckt immer gleich, und er macht immer das Gleiche; als Archetyp aller Archetype, der dann im Baustellenstau plötzlich auftaucht, weil er weiß, dass ein paar Bösewichter eine Bombe an einem Schulbus drapiert habe, und nicht nur kann er im Fahren die Bombe entschärfen, in den verbleibenden Sekunden die Schurken einholen und deren Auto in die Luft sprengen, nein, er hat mal von vornherein und überhaupt gewusst, was da generell so los ist.
Diese absolute
Überlegenheit, gepaart mit stoischer Gelassenheit, das ist ein Ideal, das wir
wohl alle zu erreichen trachten und dem wir niemals auch nur in allernächste
Nähe kommen werden. Chuck Norris ist wie ein Magnet, der alles anzieht – er
steht still, und die Filmhandlung formiert sich um ihn, so, wie im Comic alles
Metallene dem Riesenmagneten entgegenfliegt: Pistolen und Maschinengewehre und
Autos und Schulbus und Kanonen und Panzer, alle gruppieren sich in ihren
Handlungsfragmenten um das Norris-Gravitationszentrum.
Norris’ enorme
Macht zeigt sich im Finale, als er allein durchs Gebäude streift, wo sich der
Oberböse versteckt hält, um ihn endlich zur Strecke zu bringen, während außen
die US-Armee die letzte große Schlacht gegen die Terrorsöldner führt; und die
regulären GIs sind so doof, dass sie vor ihren Panzern in „Deckung“ gehen, also
locker abgeknallt werden können, immerhin zerschießen die Panzer mit ihren
langen, harten Kanonen die Fahrzeuge der Bösen und auch die Bösen selbst – aber
so viel Aufwand hat Chuck halt gar nicht nötig, weil er sich selbst genügt.
Und ich möchte explizit anmerken, dass ich alle, wirklich alle Chuck Norris-Witze kenne, die es auf der ganzen Welt gibt, gab oder geben wird. Nur Chuck Norris kennt einen mehr, wo immer er jetzt ist.
„Ninja: Silent
Assassin“ prunkt mit einem ganz
besonderen Unique Selling Point: Alphonse Beni, der Hauptdarsteller, stammt aus
Kamerun und ist schwarz und bringt hier volle Ninja-Action. Daher auch der
deutsche Titel „Der schwarze Tiger“, unter dem man sich nicht das vorstellen
kann, was der Film bietet: eine lange, lange, laaange Todesszene der liebsten
von Alvin, unserem schwarzen Cop/Ninja, die sterbend eine lange, lange, laaange
Ansprache hält über ihre Liebe und die schöne Uhr, die sie ihm zum Hochzeitstag
und so weiter, jedenfalls kriegen wir da erst mit, was Alvin kann, als zwei
schwarzgekleidete Ninjas ihn in seiner Wohnung angreifen und er so mit den
Händen vor den Körper und Stopptrick – und er ist Ninja und zack.
Oder die beiden (!) Bösewichter Rudolph und Norman, die sich zusammentun. Oder Richard Harrison, der zweite Ninja-Meister namens Gordon, der irgendwie auftaucht und mithilft, die Bösen zu bekämpfen. Oder natürlich – führt das zu weit? – der Handlungsstrang um Tiger und Edmond und Vivian, die letztere irgendwie so Undercovercop, angeblich, aber in Wirklichkeit, also in produktionstechnischer Wirklichkeit sind die aus einem anderen Film, nämlich ausm taiwanesischen Kriminalfilm „Nu tai bao“ von 1983, den Godfrey Ho freimütig recycled, indem er die Szenen jenes Films in diesen seinen Film einbaut.
Das macht er ja
gern, wir hatten schon das „Frauenlager der Ninja“ und „Mission Thunderbold“ in ähnlicher Manier im Grindhouse, und
natürlich „Ninja: Champion on Fire“, bei dem Ho ungenannt Regie führte,
zusammen mit Joseph Lai, nicht von ungefähr Produzent von „Ninja: Silent
Assassin“; und von „Mission Thunderbold“…
Weil Altes aufzukaufen und neu zu verwursten wahrscheinlicher billiger ist als selbst zu drehen, haben wir hier eine Story, die in Paris beginnt (ohne dass wir Paris sehen) und wo’s um die Kontrolle über den Hafen von Aberdeen geht (den wir nicht sehen), und zwar indem Tiger die Gewerkschaft übernimmt und damit den Drogenschmuggel ermöglicht (das ist der alte Film), und außerdem kämpfen zwei gute Ninja gegen zwei böse Ninja, und die Bösen haben natürlich noch Helfershelfer, die auch Ninja sind, das ist der neue Film.
Richard Harrison
guckt monoton in die Welt, und dann kämpft er, und Alphonse Beni guckt immer
mal wieder so wie einer, der versucht, traurig zu sein, weil seine Frau ist ja
tot, und er kämpft, und die Connection zwischen altem und neuem Film, die ist
gelungen, weil wir einmal Tiger aus dem alten Film mit Norman aus dem neuen
Film in dessen Büro miteinander sprechen sehen, das muss ein Double sein oder
auch geschickte Filmmontage. Also ein Angelpunkt, von dem aus wir immer wieder
zwischen altem und neuem Material hin- und herspringen, und das funktioniert
sogar ziemlich gut, wenn man in Betracht zieht, dass das Ganze halt total irre
ist, weil sich die Typen im Handumdrehen (buchstäblich!) in Ninja verwandeln.
Das hat was von unseren geliebten mexikanischen Catcherfilmen, wo El Santo und
Co. dauernd ihre Masken aufhaben, aber in Anzug rumlaufen – die Ninja zwar ohne
Maske, aber innerlich stets bereit, das Schwert zu ziehen oder Sternchen zu
werfen.
Godfrey Ho ist einer, der perfekt aufspringt auf den Ninja-Zug der 80er, hier einen ultimativ internationalen Hongkong-Film dreht, nämlich inkl. echtem Taiwan-Material und gespickt mit westlichen Darstellern, die ständige Action versprechen. Er fährt halt schwarz auf dem Ninja-Zug.
Harald Mühlbeyer





